FreelanceCamp 2009 | KulturGilde, Kreativwirtschaft und Vernetzung
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Historischer Meilenstein
Abgeschlossen · 2009
Kooperationsprojekt

FreelanceCamp 2009: Als Kreative begannen, sich als Wirtschaftsfaktor zu organisieren

2009 war die Kultur- und Kreativwirtschaft noch ein junges politisches Feld. Mit dem FreelanceCamp 2009 entstand ein offenes, partizipatives Format, das Kreative in Bremen, Leipzig und Nürnberg miteinander vernetzte. Die KulturGilde unterstützte das Camp in Nürnberg aktiv und brachte eigene Impulse zu Projektentwicklung, Selbstvermarktung und regionaler Vernetzung ein.

September – Oktober 2009 Bremen · Leipzig · Nürnberg Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige, Kreative im Rahmen von koopstadt

Warum das FreelanceCamp 2009 wichtig war

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist heute als Innovations- und Wirtschaftsfaktor deutlich sichtbarer als noch vor einigen Jahren. 2009 war vieles davon noch Aufbauarbeit. Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige, Designer:innen, Autor:innen, Musiker:innen, Spieleentwickler:innen, Softwareunternehmen, Werbefachleute, Künstler:innen und andere Kreative standen vor ähnlichen Fragen: Wie werden kreative Leistungen fair bezahlt? Wie entstehen tragfähige Netzwerke? Wie kommen Kreative an Märkte, Auftraggeber und passende Räume?

Das FreelanceCamp 2009 griff genau diese Themen auf. Es war kein klassischer Kongress, sondern ein offenes Arbeitsformat für Menschen, die ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Ideen selbst einbringen wollten. Damit passte das FreelanceCamp genau zur Arbeitsweise der KulturGilde: vernetzen, sichtbar machen, gemeinsam entwickeln und aus einzelnen Stimmen eine stärkere Branchenperspektive formen.

Von koopstadt zu LiebHBeN

Drei Städte, eine gemeinsame Frage

Die Idee zum FreelanceCamp entstand im Umfeld des Stadtentwicklungsprojekts koopstadt – Stadtentwicklung Bremen, Leipzig, Nürnberg. Als Vorbereitung auf das FreelanceCamp wurde der sechstägige Workshop LiebHBeN organisiert. Vom 21. bis 26. September 2009 reisten aktive Freelancer:innen und Kreative durch die drei Städte – jeweils zwei Tage lang wurden lokale und übergreifende Rahmenbedingungen der Kultur- und Kreativwirtschaft diskutiert.

21.–22. September 2009

Bremen

Ehemaliges Bundeswehrhochhaus am Breitenweg / Daniel-von-Büren-Straße

23.–24. September 2009

Leipzig

Wächterhaus / Kultiviert Anders! im Leipziger Westen

25.–26. September 2009

Nürnberg

Ehemaliges AEG-Gelände, Auf AEG

Die Workshopreise machte sichtbar, dass Bremen, Leipzig und Nürnberg unterschiedliche Ausgangslagen hatten, aber ähnliche Fragen bewegten: Räume für Kreative, Marktzugänge, Wertschätzung, Qualifizierung, soziale Absicherung, Vernetzung und die Rolle der Kultur- und Kreativwirtschaft im Strukturwandel.

Themen des Workshops LiebHBeN

Die zentralen Fragen, die Kreative 2009 bewegten – und heute immer noch bewegen.

Vernetzung und Marktzugang

Wie kommen Kreative an Auftraggeber, Kooperationspartner, Märkte und öffentliche Sichtbarkeit?

Selbstvermarktung und Professionalisierung

Wie können Freiberufler:innen ihre Leistung verständlich, selbstbewusst und wirtschaftlich tragfähig anbieten?

Soziale Absicherung und Rahmenbedingungen

Welche politischen und wirtschaftlichen Strukturen brauchen Solo-Selbstständige und kreative Freiberufler:innen?

Räume und kreative Stadtentwicklung

Welche Orte, Zwischennutzungen, Labore und Freiräume ermöglichen kreative Arbeit?

Wert kreativer Arbeit

Wie entsteht ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Ideen, Gestaltung, Kunst, Software, Medien und Kultur reale wirtschaftliche Werte schaffen?

Interdisziplinäre Kooperation

Wie können Kreative, Unternehmen, Verwaltung, Politik und Stadtentwicklung produktiver zusammenarbeiten?

Das FreelanceCamp 2009: offen, vernetzt, partizipativ

Am 17. Oktober 2009 wurden die Ergebnisse der LiebHBeN-Workshopreisen auf dem FreelanceCamp weitergetragen. Das Camp fand zeitgleich in Bremen, Leipzig und Nürnberg statt und verband die drei Standorte digital miteinander – für die damalige Zeit ein bemerkenswertes Format: lokal verankert, städteübergreifend vernetzt, offen für die Themen der Teilnehmenden.

Das FreelanceCamp folgte der Logik eines BarCamps. Es gab keine starre Konferenzdramaturgie und kein Programm von oben. Die Teilnehmer:innen bestimmten die Themen selbst, brachten Sessions ein, diskutierten konkrete Herausforderungen und entwickelten gemeinsam neue Ideen. Beteiligung statt Frontalprogramm, Praxiswissen statt bloßer Theorie, Vernetzung statt Einzelkämpfertum.

Die KulturGilde als Impulsgeberin und Netzwerkplattform

Die KulturGilde unterstützte das FreelanceCamp in Nürnberg aktiv. Bereits in der Vorbereitung beteiligte sie sich an der sechstägigen Workshopreise LiebHBeN. Beim FreelanceCamp in Nürnberg brachte sie eigene Sessions ein – insbesondere zu Projektentwicklung in der Region und zur Selbstvermarktung von Kreativen.

Damit verfolgte die KulturGilde ein Ziel, das bis heute zu ihrem Kern gehört: Kreative nicht nur als Einzelpersonen sichtbar zu machen, sondern sie als Teil eines größeren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhangs zu stärken. Das FreelanceCamp zeigte früh, dass Kultur- und Kreativwirtschaft mehr ist als Kunst und Kultur im engeren Sinn – sie umfasst auch Software, Design, Werbung, Games, Medien, Musik, Film, Buch, darstellende Kunst und viele weitere Tätigkeitsfelder.

Frühe KulturGilde-DNA

Das FreelanceCamp 2009 zeigt bereits viele Elemente, die bis heute zur KulturGilde gehören: BarCamp-Methodik, Interessenvertretung für Kreative, Sichtbarkeit für Solo-Selbstständige, Netzwerkaufbau, interdisziplinäre Projektentwicklung und politische Kommunikation für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

Vom Branchendialog zur politischen Sichtbarkeit

Das FreelanceCamp war nicht nur ein Netzwerktreffen. Die Ergebnisse sollten auch in politische und wirtschaftsfördernde Strukturen hineinwirken. Im Mittelpunkt standen Fragen, die auch heute noch relevant sind: Welche Rahmenbedingungen brauchen Kreative? Wie kann die Kultur- und Kreativwirtschaft strategisch gefördert werden? Welche Rolle spielen Städte und Regionen beim Aufbau kreativer Ökosysteme?

Die KulturGilde verstand das FreelanceCamp als Beitrag zu einer breiteren Anerkennung der Kultur- und Kreativwirtschaft. Kreative sollten nicht nur als kulturelle Akteure, sondern auch als Unternehmer:innen, Innovator:innen und Wirtschaftsfaktor sichtbar werden.

Warum das Thema heute wieder aktuell ist

Viele Fragen von 2009 sind heute aktueller denn je. Solo-Selbstständige und Freiberufler:innen prägen die Kultur- und Kreativwirtschaft, arbeiten aber häufig unter unsicheren Bedingungen. Sichtbarkeit, faire Honorare, soziale Absicherung, Marktzugang, Digitalisierung, Plattformökonomie, Förderprogramme, Netzwerke und politische Vertretung bleiben zentrale Themen.

Deshalb lässt sich das FreelanceCamp 2009 als Vorläufer heutiger KulturGilde-Aktivitäten lesen – ein früher Baustein in einer Arbeit, die bis heute fortgeführt wird.

Was vom FreelanceCamp 2009 bleibt

Das FreelanceCamp 2009 war ein früher Versuch, die Kultur- und Kreativwirtschaft von unten heraus zu organisieren: aus der Praxis, aus den Erfahrungen der Kreativen, aus realen Arbeitsbedingungen und aus der gemeinsamen Suche nach tragfähigen Lösungen. Es machte deutlich, dass Netzwerke nicht nebenbei entstehen. Sie brauchen Orte, Formate, Moderation, Vertrauen und Menschen, die unterschiedliche Akteure zusammenbringen.

Für die KulturGilde war das FreelanceCamp ein wichtiger Baustein in der eigenen Entwicklung: als Verband, als Plattform für Kreative, als Impulsgeberin für BarCamp-Formate und als Stimme für eine Kultur- und Kreativwirtschaft, die wirtschaftlich ernst genommen werden will.

Häufige Fragen

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