Die KulturGilde begrüßt den Änderungsantrag zum Doppelhaushalt 2026/2027, mit dem zusätzliche Mittel für das Projekt „Stadt-Land-Modellregion im europäischen Kontext – Metropolregion Nürnberg" bereitgestellt werden sollen. Der Ansatz ist richtig: Die Metropolregion Nürnberg ist wirtschaftlich stark, innovativ und international oft noch weniger sichtbar, als sie es verdient hätte.
Gerade deshalb ist es sinnvoll, die Region als attraktiven Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensraum stärker zu positionieren. Ein mehrsprachiges Fachkräfteportal, eine Imagekampagne, eine stärkere Sichtbarkeit von Hidden Champions, Arbeitgeberbefragungen und Monitoring können wichtige Bausteine sein.
Aus Sicht der KulturGilde darf diese Standorterzählung aber nicht zu eng geführt werden. Eine moderne Innovationsregion besteht nicht nur aus Industrie, Forschung, Technologie und klassischen Mittelstandsunternehmen. Sie lebt auch von Design, Medien, Games, Musik, Architektur, Werbung, Software, Kommunikation, Veranstaltungen, Kulturorten, Kreativnetzen und den vielen kleinen und mittleren Kreativunternehmen, die Ideen sichtbar, nutzbar und erlebbar machen.
„Fachkräfte kommen wegen guter Jobs – aber sie bleiben wegen guter Orte. Eine Region wird nicht allein durch Industriehallen und Forschungslabore attraktiv, sondern durch Kultur, Gestaltung, Medien, Games, Musik, Gastronomie, kreative Netzwerke und lebendige Innenstädte. Wenn die Metropolregion Nürnberg als EU-Innovation-Valley sichtbar werden will, muss die Kreativwirtschaft Teil dieser Erzählung sein."
Kreativwirtschaft ist Standortpolitik
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist kein dekorativer Zusatz zur Wirtschaftspolitik. Sie ist selbst Wirtschaft – und zugleich ein Verstärker für andere Branchen. Kreativunternehmen entwickeln Marken, Kampagnen, digitale Erlebnisse, Räume, Interfaces, Veranstaltungen, Geschichten und Kommunikationsformate. Sie helfen Unternehmen dabei, sichtbar zu werden, Fachkräfte anzusprechen, Innovationen zu erklären und neue Märkte zu erreichen.
Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte ist das entscheidend. Menschen wechseln ihren Lebensmittelpunkt nicht nur wegen eines Arbeitsvertrags. Sie fragen auch: Wie lebt es sich dort? Gibt es Kultur, Begegnung, Szene, Gastronomie, Freiräume, Familienangebote, Mobilität, urbane Qualität und regionale Identität? Genau an dieser Schnittstelle zwischen Arbeit, Lebensqualität und wirtschaftlicher Attraktivität liegt die Stärke der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Creative Hidden Champions sichtbar machen
Wenn die Metropolregion Nürnberg ihre Hidden Champions sichtbarer machen will, sollte sie diesen Begriff weiter denken. Hidden Champions gibt es nicht nur in der Industrie. Es gibt sie auch in der Kreativwirtschaft: kleine Agenturen mit internationalen Kunden, Designbüros mit Spezialwissen, Game-Studios, Medienproduktionen, Musik- und Veranstaltungsunternehmen, Software- und UX-Teams, Kommunikationsspezialist:innen, Kreativnetzwerke und Kulturorte, die weit mehr Wirkung entfalten, als ihre Größe auf den ersten Blick vermuten lässt.
Die KulturGilde schlägt deshalb vor, die Kultur- und Kreativwirtschaft systematisch in die Umsetzung der Stadt-Land-Modellregion einzubinden. Denkbar wären ein eigener Bereich im Fachkräfteportal, eine Reihe zu „Creative Hidden Champions der Metropolregion Nürnberg", regionale Stadt-Land-Werkstätten mit Kreativunternehmen sowie eine stärkere Einbindung kreativer Branchen in Arbeitgeberbefragung und Monitoring.
Stadt und Land gemeinsam erzählen
Besonders wichtig ist die Stadt-Land-Perspektive. Die Metropolregion Nürnberg ist nicht nur Nürnberg, Fürth und Erlangen. Sie lebt von vielen starken Städten, Landkreisen, Hochschulstandorten, Produktionsorten, Kulturinitiativen, Kreativräumen und mittelständischen Unternehmen in der Fläche.
Für Kreative, Selbstständige und kleine Unternehmen ist diese Struktur Chance und Herausforderung zugleich. Sie brauchen Sichtbarkeit, Marktzugänge, Netzwerke, Räume, öffentliche Aufträge und bessere Verbindung zu Mittelstand, Kommunen und Institutionen. Eine Stadt-Land-Modellregion kann genau hier ansetzen: nicht als reine Standortkampagne, sondern als praktische Plattform für Zusammenarbeit.
Forderung der KulturGilde
Die KulturGilde fordert, die Kultur- und Kreativwirtschaft als eigenständigen Baustein in das Projekt „Stadt-Land-Modellregion im europäischen Kontext – Metropolregion Nürnberg" aufzunehmen.
Konkret sollte geprüft werden:
- ein sichtbarer Bereich zur Kultur- und Kreativwirtschaft im geplanten Fachkräfteportal,
- eine Kampagnenreihe zu kreativen Hidden Champions der Metropolregion,
- die Einbindung von Kreativunternehmen in Arbeitgeberbefragung und Monitoring,
- regionale Stadt-Land-Werkstätten mit Kreativen, Kommunen, Mittelstand und Politik,
- die stärkere Vergabe von Kommunikations-, Design-, Medien- und Veranstaltungsleistungen an regionale Kreativunternehmen.
Gesprächsangebot
Die KulturGilde bietet der Europäischen Metropolregion Nürnberg, dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, Kommunen, Wirtschaftsförderungen und regionalen Unternehmen an, die Kultur- und Kreativwirtschaft als Standort-, Fachkräfte- und Innovationsfaktor sichtbar einzubringen.
Kontakt: roland.weiniger@kulturgilde.de
