Statement16. Juni 2026Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde

Pflegereform darf nicht zum Griff in die Familienkasse werden

Warum Warkens Pläne zur Abschaffung der 100.000-Euro-Grenze Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige und die arbeitende Mitte besonders hart treffen können

KulturGilde kritisiert Warkens Pflege-Pläne scharf

Die KulturGilde kritisiert die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zur Abschaffung der 100.000-Euro-Grenze beim Angehörigenunterhalt scharf. Der Verband warnt vor einer massiven Belastung von Angehörigen, Freiberufler:innen, Solo-Selbstständigen und Familien, die ohnehin zwischen Arbeit, Sorgeverantwortung und steigenden Lebenshaltungskosten stehen.

„Das ist kein Reformvorschlag, das ist ein Griff in die Familienkasse."

— Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde

Die folgende Seite dokumentiert das ausführliche Statement, die zentralen Forderungen, die Datengrundlage und den politischen Hintergrund der KulturGilde-Position.

Pressemitteilung vom 16. Juni 2026

„KulturGilde zu Warkens Pflege-Plänen: Das ist kein Reformvorschlag, das ist ein Griff in die Familienkasse"

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Für Presse und Politik

Diese Seite bündelt die wichtigsten Informationen zur Position der KulturGilde: Pressezitate, zentrale Forderungen, Hintergrund zur 100.000-Euro-Grenze, Betroffenheit von Selbstständigen und Daten zur wirtschaftlichen Lage in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

ThemaPflegereform, Angehörigenunterhalt, 100.000-Euro-Grenze
PositionKulturGilde fordert Erhalt der Schutzgrenze
BetroffeneAngehörige, Familien, Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige
SprecherRoland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde
Pressekontaktinfo@kulturgilde.de
InterviewhinweisRoland Weiniger steht für Interviews und Hintergrundgespräche zur Verfügung.

Die KulturGilde sagt klar

Die 100.000-Euro-Grenze ist kein Privileg

Sie schützt Angehörige vor unkalkulierbaren finanziellen Risiken.

Pflegekosten dürfen nicht an Familien ausgelagert werden

Die Pflegekrise wird nicht gelöst, wenn Kosten von der Solidargemeinschaft auf einzelne Haushalte verschoben werden.

Selbstständige Einkommen sind keine Tarifgehälter

Umsatz, Bruttoeinkommen und tatsächliche Leistungsfähigkeit sind bei Freiberufler:innen nicht dasselbe.

Pflege darf nicht zur Berufsaufgabe führen

Wer Angehörige pflegt oder Pflegekosten tragen muss, darf nicht aus der selbstständigen Erwerbstätigkeit gedrängt werden.

Kreativschaffende brauchen soziale Sicherheit

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist innovativ und produktiv, aber häufig projektbasiert, schwankend finanziert und sozial schlecht abgesichert.

Pflege ist kein Randthema

Pflege ist kein Randthema. Pflege ist die Stelle, an der sich zeigt, ob ein Sozialstaat Menschen wirklich schützt – oder ob er Risiken nur so lange solidarisch trägt, bis sie teuer werden.

Die Debatte über die Finanzierung der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist notwendig. Steigende Kosten verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert. Aber eine Reform, die Belastungen vor allem zu Versicherten, Patient:innen, Angehörigen und Selbstständigen verschiebt, löst das Problem nicht. Sie verlegt es an den Küchentisch der Familien, in die ohnehin überlasteten Pflegebiografien – und in die kleinen Büros, Ateliers, Proberäume, Agenturen, Werkstätten und Arbeitszimmer der Solo-Selbstständigen.

Was die 100.000-Euro-Grenze beim Angehörigenunterhalt bedeutet

Mit der 100.000-Euro-Grenze beim Angehörigenunterhalt werden erwachsene Kinder pflegebedürftiger Eltern bislang grundsätzlich erst dann herangezogen, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen über dieser Schwelle liegt. Die Regelung soll Angehörige entlasten und verhindern, dass Pflegekosten in der Familie zu unkalkulierbaren finanziellen Risiken werden. Die Grenze wurde 2020 mit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz eingeführt.

Aus Sicht der KulturGilde ist diese Grenze kein Luxusprivileg für Wohlhabende, sondern eine Schutzlinie für Menschen, die arbeiten, Verantwortung übernehmen und selbst für ihre Zukunft vorsorgen müssen.

Die KulturGilde fordert Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auf, die Pläne zur Abschaffung dieser Grenze zurückzunehmen. Pflege muss solidarisch, verlässlich und strukturell finanziert werden. Die Lösung kann nicht darin bestehen, Angehörige stärker zur Kasse zu bitten und private Erwerbsbiografien unkalkulierbaren Risiken auszusetzen.

„Eine Pflegereform, die Angehörige verunsichert, Selbstständige belastet und Familien zur stillen Ersatzkasse des Staates macht, verdient ihren Namen nicht. Diese Pläne müssen vom Tisch."

— Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde

Warum Selbstständige besonders betroffen sind

Für Freiberufler:innen und Solo-Selbstständige ist diese Frage besonders gefährlich. Sie haben kein festes Monatsgehalt, keine bezahlte Pflegezeit im klassischen Sinne, keine Personalabteilung, keine Arbeitgeberseite, die Ausfälle auffängt.

„Bei Selbstständigen darf man Bruttozahlen nicht mit Wohlstand verwechseln."

Wenn eine selbstständige Designerin, ein Musiker, eine Journalistin oder ein Games-Entwickler mehrere Tage pro Woche Pflege organisiert, fällt nicht einfach nur Arbeitszeit aus. Dann fällt Umsatz aus. Dann brechen Projekte weg. Dann melden sich Kund:innen nicht mehr. Dann verschwindet Sichtbarkeit.

„Ein gutes Projektjahr ist kein Vermögen. Es ist oft nur der Puffer, mit dem das nächste Loch überbrückt wird."

Denn Selbstständige zahlen aus demselben unsicheren Einkommen: schwankende Honorare, projektbezogene Einnahmen, Betriebskosten, Krankenversicherung, Steuern, Altersvorsorge, Rücklagen, Ausfallzeiten – ohne Lohnfortzahlung, ohne bezahlte Pflegezeit, ohne planbare Monatsgehälter.

Daten zur Kultur- und Kreativwirtschaft

18.750 €

Median-Jahresarbeitseinkommen von Vollzeit-Solo-Selbstständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft (Prognos)

1 von 4

Solo-Selbstständige in Kultur- und Kreativberufen verdient weniger als 1.000 Euro netto im Monat

40 %

der Befragten haben keinerlei Rücklagen für das Alter

2 Mio.

Erwerbstätige in der Kultur- und Kreativwirtschaft (Bundeswirtschaftsministerium)

Diese Zahlen zeigen, warum die Debatte nicht abstrakt geführt werden darf. Viele Selbstständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten hochproduktiv, innovativ und verantwortungsvoll, verfügen aber nicht über stabile Rücklagen oder planbare Einkommen.

Die gefährliche Kettenreaktion

Wenn Angehörige mit Pflegekosten konfrontiert werden, geraten gerade Solo-Selbstständige besonders schnell unter Druck:

1

Wer selbst pflegt, arbeitet weniger.

2

Wer weniger arbeitet, verliert Aufträge.

3

Wer Aufträge verliert, verliert Sichtbarkeit.

4

Wer Sichtbarkeit verliert, verliert zukünftiges Einkommen.

5

Wer Rücklagen aufbraucht, verliert Sicherheit.

6

Wer die Selbstständigkeit aufgeben muss, kann am Ende selbst auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.

Fazit: Eine Reform, die kurzfristig Pflegekosten verlagert, kann langfristig Erwerbstätigkeit zerstören, Steuerkraft schwächen und neue soziale Kosten erzeugen.

Was die KulturGilde fordert

1

100.000-Euro-Grenze erhalten

Die 100.000-Euro-Grenze beim Angehörigenunterhalt muss erhalten bleiben. Sie ist eine notwendige Schutzlinie gegen den finanziellen Absturz von Familien.

2

Selbstständige Erwerbsrealitäten anerkennen

Umsatz, Bruttoeinkommen und tatsächliche Leistungsfähigkeit sind bei Freiberufler:innen und Solo-Selbstständigen nicht dasselbe.

3

Pflege nicht gegen Erwerbstätigkeit ausspielen

Wer Angehörige unterstützt oder pflegt, darf dadurch nicht in die Aufgabe der eigenen selbstständigen Existenz gedrängt werden.

4

Betriebsrücklagen schützen

Rücklagen für Steuern, Betriebskosten, Auftragslücken und Liquidität dürfen nicht als frei verfügbares Vermögen behandelt werden.

5

Altersvorsorge schonen

Private und berufsbezogene Altersvorsorge darf nicht durch Pflegekosten aufgezehrt werden.

6

Härtefallregelungen schaffen

Familien mit schwankenden Einkommen, Sorgeverantwortung und unsicheren Erwerbsbiografien brauchen echte Schutzmechanismen.

7

Betroffene einbeziehen

Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige und Kreativschaffende müssen in Reformprozesse einbezogen werden. Über ihre Belastungen darf nicht ohne ihre Perspektive entschieden werden.

8

Pflege solidarisch finanzieren

Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie darf nicht zur privaten Schulden- oder Insolvenzfalle werden.

Für Journalist:innen

Hinweise für Journalist:innen

Die KulturGilde stellt diese Position als Hintergrund für Berichterstattung, Interviews und politische Einordnung zur Verfügung. Besonders relevant sind die Auswirkungen auf Solo-Selbstständige, Freiberufler:innen und Kreativschaffende, deren Erwerbsrealität sich deutlich von klassischen Angestelltenbiografien unterscheidet.

Mögliche Recherchefragen

  • Was bedeutet die Abschaffung der 100.000-Euro-Grenze für Angehörige mit schwankendem Einkommen?
  • Wie wird selbstständiges Einkommen im Angehörigenunterhalt bewertet?
  • Welche Rücklagen brauchen Solo-Selbstständige für Steuern, Krankenkasse, Altersvorsorge und Auftragslücken?
  • Welche Folgen hat Pflegeverantwortung für projektbasierte Erwerbsbiografien?
  • Wie viele Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten freiberuflich oder solo-selbstständig?
  • Welche sozialen Sicherungslücken bestehen für Kreativschaffende?
  • Welche langfristigen Kosten entstehen, wenn Selbstständige durch Pflegeverpflichtungen ihre Tätigkeit aufgeben müssen?

Interviewangebot

Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde, steht für Interviews, O-Töne und Hintergrundgespräche zur Verfügung.

info@kulturgilde.de

Für Politik und Verwaltung

Hinweise für Politik und Verwaltung

Für politische Entscheidungsträger:innen ist entscheidend, selbstständige Erwerbsrealitäten nicht mit klassischen Lohn- und Gehaltsbiografien gleichzusetzen. Eine Pflegereform, die nur auf Bruttoeinkommen blickt, verkennt unternehmerische Risiken, schwankende Einnahmen, fehlende Lohnfortzahlung, Eigenvorsorge und die Bedeutung von Betriebsrücklagen.

Prüffragen

  • Wie werden schwankende Einkommen über mehrere Jahre bewertet?
  • Werden Betriebsrücklagen geschützt?
  • Wird Altersvorsorge geschont?
  • Gibt es Härtefallregelungen?
  • Werden Sorgearbeit und Erwerbsausfälle berücksichtigt?
  • Werden Freiberufler:innen und Solo-Selbstständige in Anhörungen einbezogen?
  • Wie verhindert die Reform, dass Erwerbstätigkeit zerstört und Bürgergeldrisiken erhöht werden?

Quellen und Datengrundlage

1.

Prognos-Studie

Zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von Solo-Selbstständigen und hybrid Erwerbstätigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

2.

Branchendaten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Zur Zahl der Unternehmen, freiberuflich Selbstständigen und Erwerbstätigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

3.

Bundesgesundheitsministerium

Erläuterungen zum Pflegeneuordnungsgesetz und zur angekündigten Anpassung des Angehörigenentlastungsgesetzes.

Bitte melden Sie sich.

Wie sieht es in Ihrer Praxis aus?

Haben Pflegeverantwortung oder Pflegekosten bereits dazu geführt, dass Sie Aufträge reduzieren, Rücklagen auflösen oder Ihre selbstständige Tätigkeit einschränken mussten?

Drei Stichpunkte genügen. Auf Wunsch formulieren wir daraus ein kurzes Zitat oder Praxisbeispiel und legen es Ihnen vor einer Veröffentlichung zur Freigabe vor.

Aufwand: etwa zwei bis fünf MinutenKeine Mitgliedschaft erforderlichKeine automatische VeröffentlichungVertrauliche Nutzung möglichAuf Wunsch mit Unternehmenslink

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Über die KulturGilde

Die KulturGilde ist ein Verband der Kultur- und Kreativwirtschaft. Sie vertritt die Interessen von Kreativen, Kulturschaffenden, Freiberufler:innen, Solo-Selbstständigen, kleinen Unternehmen und Netzwerken der Branche. Ziel der KulturGilde ist es, die Kultur- und Kreativwirtschaft als wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Faktor sichtbar zu machen und bessere Rahmenbedingungen für kreative Arbeit, Innovation und Selbstständigkeit zu erreichen.

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