Ja, davon sollten wir uns unbedingt lösen. Eine Unternehmensgründung kann ein hervorragender Weg sein, eine Idee in die Anwendung zu bringen – aber sie ist eben nur ein Weg unter mehreren. Eine Erfindung kann auch in ein bestehendes Unternehmen transferiert, lizenziert, als Open-Source-Lösung verbreitet, gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt oder zunächst schlicht als Lern- und Experimentierprojekt verfolgt werden.
Unsere Forschung zu Makerspaces zeigt sehr deutlich, wie unterschiedlich Innovationsprozesse verlaufen können. Professionelle und nichtprofessionelle Nutzer greifen auf die vorhandenen Ressourcen unterschiedlich zu. Für Hobby-Maker kann ein Makerspace beispielsweise über einen längeren Zeitraum eine Art Inkubator darstellen, in dem eine Idee technisch entwickelt wird und zugleich Wissen, Kontakte und erste finanzielle Ressourcen zugänglich werden. Professionelle Nutzer bringen dagegen häufig bereits eigene Ressourcen mit und nutzen einen Makerspace gezielter als Schnittstelle zu Spezialwissen, Technologien oder externen Partnern.
Unsere neueren Untersuchungen unter mehreren hundert Makern unterstreichen zudem, dass auch deren Motive sehr unterschiedlich sind. Manche suchen vor allem Wissen, andere schätzen die gemeinsame Entwicklung, wieder andere interessieren sich stärker für konkrete wirtschaftliche Chancen. Das ist für Innovationsförderung ein wichtiger Befund: Es gibt nicht den einen Innovator und deshalb auch nicht den einen idealtypischen Förderpfad.
Gerade bei frühen Ideen sollten wir deshalb zunächst fragen: Was möchte die Person mit ihrer Idee erreichen, und was braucht die Idee für ihren nächsten sinnvollen Schritt? Die vorschnelle Forderung „Daraus musst du jetzt ein Start-up machen“ kann sogar kontraproduktiv sein. Entrepreneurship bedeutet für mich nicht zwangsläufig Unternehmensgründung. Es bedeutet zunächst, Chancen zu erkennen, Ressourcen zu mobilisieren und etwas Neues in die Welt zu bringen. In welcher Organisationsform das am Ende geschieht, sollte sich aus der Idee und ihrem Kontext ergeben – nicht aus einem vorgegebenen Fördermodell.

