Innovation ist kein rein europäisches Thema mehr. Der Informationsabend „Asia Innovation" machte deutlich, dass Länder wie China, Indien und Pakistan eigene Dynamiken entwickelt haben – in der Technologie, im Ausbildungssystem, in der Unternehmensmentalität und in der Geschwindigkeit, mit der neue Ideen in Produkte, Dienstleistungen und Märkte überführt werden.
Für Bayern und Deutschland entsteht daraus eine doppelte Aufgabe: Internationale Entwicklungen ernstnehmen und zugleich eigene Innovationsstrukturen offener, schneller und vernetzter gestalten.
Drei Perspektiven auf internationale Innovationskultur
Thomas Dillig, Unternehmer und Asienexperte, gab Einblicke in Unternehmens-, Arbeits- und Ausbildungsmentalitäten in Asien. Was er beschrieb, ist keine abstrakte Bedrohung, sondern eine konkrete Realität: Märkte, die schnell lernen, pragmatisch entscheiden und stark in Ausbildung und Infrastruktur investieren.
Klaus Gradischek ergänzte die Perspektive auf die amerikanische Innovationskultur. Ihr Kern: Pragmatismus, Risikobereitschaft und eine Fehlerkultur, die schnelles Scheitern als Teil des Lernens akzeptiert. Eigenschaften, die in Deutschland nach wie vor als Schwäche gelten, werden dort als Stärke eingesetzt.
Ali Naqi Shaheen, Chef des pakistanischen Softwareunternehmens Uraan, brachte eine Perspektive ein, die in deutschen Innovationsdebatten selten zu hören ist: ein direkter Vergleich der universitären Ausbildungssysteme in China, Indien, Pakistan und Deutschland. Sein Fazit: Südasien investiert massiv in Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Informatik – und produziert Fachkräfte in einer Geschwindigkeit und Menge, die hiesige Planungen herausfordert.
Ein Signal für Bayern: Uraan plant einen Standort in der Region
Ein besonderer Aspekt für die Region: Uraan plant mit Unterstützung von leadventures einen Standort in Bayern. Das ist kein Wirtschaftsförderprojekt im klassischen Sinne, sondern ein Zeichen dafür, dass internationale Unternehmen Bayern als attraktiven Standort für digitale Dienstleistungen und Softwareentwicklung sehen.
Für die lokale Kreativwirtschaft, für Startups, für Ausbildungsinstitutionen und für Netzwerke wie die KulturGilde bedeutet das: Es gibt Anknüpfungspunkte. Kooperationen, gemeinsame Projekte, neue Kunden, neue Ausbildungspartnerschaften – wenn die Bereitschaft besteht, sich zu öffnen.
Innovation entsteht aus Mentalität, nicht nur aus Technologie
Was der Abend vor allem zeigte: Innovationskraft entsteht nicht allein aus Technologie oder Fördergeldern. Sie entsteht aus Mentalität, Ausbildung, Geschwindigkeit, Netzwerken, kulturellem Verständnis und der Fähigkeit, voneinander zu lernen.
Das ist eine Botschaft, die über die Veranstaltung hinausgeht. Wer über Zukunftsmärkte, digitale Geschäftsmodelle und neue Formen der Zusammenarbeit sprechen will, braucht internationale Perspektiven – und die Bereitschaft, sie ernstzunehmen.



