KI-generiertes Symbolbild: Junge Kreative und erfahrener Kollege arbeiten gemeinsam an einem digitalen Gestaltungsprojekt.KI-generiert

Bild: KI-generiert (Symbolbild)

Branchenbeobachtung19. Oktober 2026Deutschland

Die Kreativwirtschaft braucht mehr Juniorstellen – aber andere

Kultur- und KreativwirtschaftKünstliche IntelligenzBerufseinstiegArbeitsmarktNachwuchsförderung

KI übernimmt zunehmend Aufgaben von Berufseinsteigern. Gleichzeitig können kleine Kreativunternehmen mit KI neue Produkte entwickeln, für die bislang Zeit, Personal oder Geld fehlten. Warum dadurch sogar zusätzliche Juniorstellen entstehen könnten.

KI übernimmt zunehmend Aufgaben, mit denen Berufseinsteiger bislang ihre ersten Erfahrungen gesammelt haben. Beim amerikanischen KI-Unternehmen Anthropic ist der Anteil technischer Juniorpositionen an den Neueinstellungen bereits erheblich gesunken. Für die Kultur- und Kreativwirtschaft könnte diese Entwicklung besonders folgenreich werden. Allerdings eröffnet dieselbe Technologie auch Möglichkeiten, Nachwuchskräfte früher an anspruchsvollen Projekten zu beteiligen. Wenn Unternehmen die gewonnenen Kapazitäten nutzen, um zusätzliche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, könnten sie künftig sogar mehr Juniorstellen benötigen als bisher.

Beim amerikanischen KI-Unternehmen Anthropic ist der Anteil der Berufseinsteiger an den technischen Neueinstellungen seit Anfang 2025 von 27 auf neun Prozent gesunken. Unter den bereits beschäftigten Mitarbeitern technischer Abteilungen ging der Junioranteil von 21 auf 14 Prozent zurück. Gleichzeitig übernehmen KI-Agenten immer größere Teile der Programmierung, Fehlersuche und technischen Überprüfung.

Eine am 16. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung des Unternehmens Anthropic beschreibt, wie sich dadurch Arbeitsabläufe und Personalbedarf verändern. Im August erreichte die gesamte Laufzeit interaktiver KI-Agenten bereits das Sechsfache der angenommenen menschlichen Arbeitszeit. Allerdings lässt sich daraus keine sechsfache Produktivität ableiten. Die Systeme arbeiten teilweise parallel, benötigen menschliche Kontrolle und erzeugen Ergebnisse, deren Qualität weiterhin überprüft werden muss.

Anthropic wächst und stellt zusätzliche Mitarbeiter ein. Personalverantwortliche suchen jedoch zunehmend Beschäftigte, die komplexe Aufgaben eigenständig bearbeiten und automatisierte Ergebnisse beurteilen können. Aufgaben, mit denen Berufsanfänger bislang ihre ersten praktischen Erfahrungen sammelten, werden zunehmend an KI-Systeme übertragen. Über die Untersuchung berichtete am 18. Oktober auch das Fachportal The Decoder.

Anthropic ist ein besonders KI-intensives Unternehmen und damit kaum repräsentativ für die gesamte Wirtschaft. Eine Untersuchung des Stanford Digital Economy Lab deutet allerdings auf ähnliche Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt hin. Die Wirtschaftswissenschaftler Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar und Ruyu Chen werteten Beschäftigungsdaten von Millionen Arbeitnehmern aus. In Berufen mit hoher KI-Exposition lag die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen im Juni 2026 rund 19 Prozent unter dem Niveau, das bei einer Entwicklung wie in weniger KI-exponierten Berufen zu erwarten gewesen wäre. Bei erfahrenen Beschäftigten fanden die Forscher keine vergleichbare Lücke. Die Anpassung erfolgte hauptsächlich über geringere Neueinstellungen.

In Deutschland zeigt sich bislang ein zurückhaltenderes Bild. Nach einer im Januar 2026 veröffentlichten Randstad-ifo-Umfrage setzen 14 Prozent der befragten Unternehmen KI ein, um typische Aufgaben von Berufsanfängern zu übernehmen. 40 Prozent rechnen damit, dass solche Tätigkeiten innerhalb der kommenden drei Jahre durch KI ersetzt werden. Die meisten Betriebe erwarten allerdings eine weitgehend stabile Zahl an Einstiegsstellen.

Wenn die Einstiegsaufgaben verschwinden

In einer Werbeagentur gehörten Bildrecherchen, erste Layoutvarianten, einfache Textentwürfe und die Vorbereitung von Präsentationen lange zu den typischen Aufgaben jüngerer Mitarbeiter. Nachwuchskräfte in Redaktionen übernahmen Transkriptionen, Hintergrundrecherchen oder kürzere Meldungen. In Filmproduktionen waren es Rohschnitte, Untertitel und die Organisation von Bild- und Tonmaterial.

Auch in der Games-Industrie bieten die Erstellung einfacher Grafiken, die Bearbeitung vorhandener Assets, kleinere Programmierarbeiten oder die Dokumentation von Fehlern Möglichkeiten, sich mit professionellen Entwicklungsprozessen vertraut zu machen.

Ein erheblicher Teil dieser Arbeiten lässt sich inzwischen mit KI-Unterstützung schneller erledigen. Bei manchen Aufgaben übernimmt die Software nahezu die gesamte technische Ausführung.

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO sieht insbesondere bei journalistischen, schriftstellerischen und übersetzerischen Tätigkeiten eine hohe Betroffenheit durch generative KI. Bei Film, Musik und anderen kreativen Berufen verändern sich vor allem einzelne Produktionsschritte. Die Auswirkungen unterscheiden sich dabei erheblich zwischen den Tätigkeitsfeldern.

Für ein kleines Kreativunternehmen ist die Automatisierung wirtschaftlich attraktiv. Wenn eine erfahrene Designerin mit KI-Unterstützung mehrere brauchbare Entwürfe in wenigen Stunden erstellen kann, sinkt der Personalaufwand. Gerade bei kleinen Aufträgen und knappen Budgets kann dies die Rentabilität verbessern.

Allerdings hat diese Designerin ihr fachliches Urteilsvermögen über viele Jahre entwickelt. Sie kennt Produktionsverfahren, technische Anforderungen und typische Fehler. Sie kann einschätzen, ob ein Entwurf den Vorstellungen des Kunden entspricht und welche gestalterischen Entscheidungen für die jeweilige Anwendung geeignet sind.

Viele dieser Fähigkeiten entstanden bei der Bearbeitung vergleichsweise einfacher Aufgaben. Wer zahlreiche Anzeigen für unterschiedliche Formate angepasst hat, lernt dabei Typografie, Bildwirkung und Produktionsbedingungen kennen. Ein junger Redakteur entwickelt sein journalistisches Urteilsvermögen durch eigene Recherchen, Textentwürfe und die anschließende Auseinandersetzung mit den Korrekturen erfahrener Kollegen.

Wenn Unternehmen solche Tätigkeiten weitgehend automatisieren und deshalb weniger Nachwuchskräfte einstellen, fehlen künftig möglicherweise Fachkräfte, die entsprechende Erfahrungen gesammelt haben. Die wirtschaftlichen Vorteile des einzelnen Unternehmens könnten sich dann langfristig zu einem Problem für die gesamte Branche entwickeln.

Mit KI früher anspruchsvolle Aufgaben übernehmen

Ein junger Game Designer kann heute mit KI-Unterstützung einen spielbaren Prototyp entwickeln, für den früher mehrere Spezialisten benötigt wurden. Die Systeme helfen bei der Programmierung, unterstützen die Erstellung vorläufiger Grafiken und ermöglichen es, unterschiedliche Spielmechaniken schneller auszuprobieren.

Ähnliches gilt für die Filmproduktion, das Verlagswesen oder die Entwicklung digitaler Anwendungen. Kleine Teams können Aufgaben übernehmen, die bislang größere technische und finanzielle Ressourcen voraussetzten.

Berufseinsteiger könnten dadurch früher an vollständigen Projekten mitarbeiten und Erfahrungen sammeln, die ihnen bislang erst nach mehreren Jahren Berufstätigkeit zugänglich waren.

Dass KI gerade weniger erfahrene Beschäftigte unterstützen kann, belegt eine Untersuchung von Erik Brynjolfsson, Danielle Li und Lindsey Raymond. Die Forscher analysierten den Einsatz eines KI-Assistenten bei 5.172 Beschäftigten im Kundendienst. Die Produktivität stieg durchschnittlich um 15 Prozent. Bei weniger erfahrenen und geringer qualifizierten Mitarbeitern lag der Zuwachs bei rund 30 Prozent.

Die Studie liefert außerdem Hinweise darauf, dass KI berufliche Lernprozesse beschleunigen kann, indem sie Vorgehensweisen erfolgreicher Kollegen verfügbar macht. Die Ergebnisse aus dem Kundendienst lassen sich zwar nicht unmittelbar auf kreative Berufe übertragen. Der untersuchte Lernmechanismus könnte jedoch auch dort genutzt werden.

Ein Berufseinsteiger könnte beispielsweise mithilfe von KI Aufgaben bearbeiten, für die ihm bislang einzelne technische Kenntnisse fehlten. Die fachliche Begleitung durch erfahrene Mitarbeiter bleibt notwendig. Ein KI-generierter Entwurf kann technisch funktionieren und trotzdem gestalterisch ungeeignet sein. Automatisch erzeugter Programmcode kann eine Aufgabe erfüllen, aber erhebliche Probleme bei Sicherheit, Wartbarkeit oder späteren Erweiterungen verursachen.

Die Qualität solcher Ergebnisse zu beurteilen, setzt weiterhin fachliche Kenntnisse voraus. Allerdings könnten Berufseinsteiger diese Kenntnisse künftig stärker während der Entwicklung vollständiger Anwendungen erwerben, anstatt über längere Zeit ausschließlich einzelne vorbereitende Arbeitsschritte zu übernehmen.

Warum Unternehmen künftig mehr Juniorstellen schaffen könnten

Eine kleine Werbeagentur beschäftigt heute vielleicht fünf Mitarbeiter. Das vorhandene Team kann die laufenden Kundenaufträge bearbeiten, hat aber kaum Zeit, neue Dienstleistungen zu entwickeln. Eine zusätzliche Stelle wäre wirtschaftlich schwer zu rechtfertigen, solange nicht genügend weitere Aufträge vorhanden sind.

Durch KI könnte sich diese Kalkulation verändern.

Die Agentur könnte beispielsweise eine Nachwuchskraft einstellen, die gemeinsam mit einem erfahrenen Designer interaktive Produktpräsentationen für mittelständische Unternehmen entwickelt. Mit KI-Unterstützung lassen sich unterschiedliche Anwendungen erstellen und bei potenziellen Kunden erproben, ohne dafür sofort mehrere Spezialisten beschäftigen zu müssen.

Der erfahrene Mitarbeiter bringt seine Kenntnisse über Gestaltung, Kundenanforderungen und wirtschaftliche Kalkulation ein. Die Nachwuchskraft arbeitet an der technischen Umsetzung, entwickelt Varianten und testet deren Bedienbarkeit. Anschließend muss die Agentur prüfen, ob sich aus den Ergebnissen eine Dienstleistung entwickeln lässt, für die Kunden tatsächlich bezahlen.

Ein kleines Games-Studio könnte auf ähnliche Weise zusätzliche Prototypen entwickeln, während das vorhandene Team an einem laufenden Projekt arbeitet. In einem Verlag wären digitale Zusatzprodukte, neue Veröffentlichungsformen oder die wirtschaftlich tragfähige Erschließung weiterer Sprachmärkte denkbar.

Früher wären solche Vorhaben möglicherweise bereits an den verfügbaren Produktionskapazitäten gescheitert. Mit KI-Unterstützung können kleinere Teams mehr Ideen bis zu einem Stadium entwickeln, in dem sich Aufwand, Qualität und Marktchancen überprüfen lassen.

Die Nachwuchskraft würde damit eine zusätzliche Aufgabe übernehmen. Neben der Mitarbeit an bestehenden Kundenprojekten wäre sie an der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen beteiligt. Sie lernt dabei, wie aus einer Idee eine technisch funktionsfähige Anwendung entsteht, welche Anforderungen mögliche Kunden stellen und welche Kosten mit einer professionellen Umsetzung verbunden sind.

Ein solches Aufgabenprofil könnte die Juniorstelle auch wirtschaftlich attraktiver machen. Wenn eine Nachwuchskraft mithilfe von KI bereits früh an zusätzlichen Angeboten arbeitet, kann sie möglicherweise schneller zur Entwicklung neuer Umsätze beitragen.

Ob dadurch tatsächlich mehr Arbeitsplätze entstehen, hängt allerdings von der Nachfrage ab. Wenn alle Anbieter lediglich dieselben Leistungen schneller und günstiger produzieren, dürften vor allem die Preise unter Druck geraten. Zusätzliche Beschäftigung entsteht eher dort, wo Unternehmen neue Kunden gewinnen, bislang nicht angebotene Leistungen entwickeln oder zusätzliche Projekte realisieren können.

Was Nachwuchskräfte künftig lernen müssen

Wer in einer Werbeagentur hauptsächlich KI-generierte Entwürfe produziert, lernt dadurch noch nicht zwangsläufig gutes Design. Auch die Fähigkeit, innerhalb weniger Minuten funktionierenden Programmcode erstellen zu lassen, ersetzt keine fundierten Kenntnisse über Softwareentwicklung.

Nachwuchskräfte müssen weiterhin verstehen, wie professionelle Ergebnisse entstehen, welche Anforderungen Auftraggeber stellen und welche Fehler bei der Umsetzung auftreten können.

Allerdings dürfte sich verändern, wie diese Kenntnisse vermittelt werden. Statt über längere Zeit einzelne vorbereitende Tätigkeiten auszuführen, könnten Berufsanfänger früher an der Konzeption, Umsetzung und Überprüfung vollständiger Projekte beteiligt werden.

Für erfahrene Mitarbeiter bedeutet das zusätzlichen Betreuungsaufwand. Wenn ein Junior mit KI-Unterstützung mehrere Entwürfe entwickelt, muss jemand erklären können, warum bestimmte Ergebnisse funktionieren und andere verworfen werden. Auch technische Fehler, gestalterische Schwächen oder wirtschaftlich ungeeignete Ansätze müssen gemeinsam besprochen werden.

Die Einarbeitung wird dadurch anspruchsvoller. Ein Unternehmen, das einen Berufsanfänger lediglich mit leistungsfähigen KI-Werkzeugen ausstattet und anschließend professionelle Ergebnisse erwartet, wird kaum zuverlässige Qualität erzielen.

Gerade kleinere Kreativunternehmen verfügen jedoch häufig nur über begrenzte personelle Kapazitäten. Der Monitoringbericht 2024 des Bundeswirtschaftsministeriums weist für das Jahr 2023 rund 238.000 Unternehmen und fast zwei Millionen Erwerbstätige in der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft aus. Die Branche ist durch zahlreiche kleine Unternehmen und Selbstständige geprägt.

Für einen kleinen Betrieb ist die Betreuung einer Nachwuchskraft deshalb eine wirtschaftliche Entscheidung. Die Zeit, die ein erfahrener Mitarbeiter für Anleitung und Qualitätskontrolle benötigt, steht zunächst nicht für andere Kundenaufträge zur Verfügung.

Diese Kosten müssten bei der Entwicklung neuer Juniorstellen berücksichtigt werden. Gleichzeitig könnte die technische Unterstützung durch KI dafür sorgen, dass Nachwuchskräfte bestimmte Aufgaben früher selbstständig übernehmen und damit schneller zum Betriebsergebnis beitragen.

Zusätzliche Juniorstellen gezielt fördern

Viele öffentliche Förderprogramme unterstützen Unternehmen bei der Einführung digitaler Technologien, der Qualifizierung vorhandener Beschäftigter oder der Entwicklung neuer Produkte. Die Beschäftigung zusätzlicher Nachwuchskräfte wird dabei häufig getrennt von der eigentlichen Produktentwicklung betrachtet.

Für kleinere Kreativunternehmen könnte eine Förderung sinnvoll sein, die beides miteinander verbindet.

Eine Designagentur, ein Games-Studio oder ein Produktionsunternehmen könnte eine zusätzliche Juniorstelle schaffen, um ein konkretes neues Angebot zu entwickeln. Eine zeitlich begrenzte Förderung würde einen Teil der Personalkosten übernehmen und auch die notwendige fachliche Betreuung berücksichtigen.

Das Unternehmen müsste dafür ein eigenes Entwicklungsprojekt benennen und sich finanziell beteiligen. Nach sechs oder zwölf Monaten wäre zu überprüfen, welche Ergebnisse entstanden sind und ob sich daraus eine wirtschaftlich tragfähige Tätigkeit entwickelt hat.

Ein solches Modell könnte beispielsweise einer kleinen Filmproduktion ermöglichen, eine Nachwuchskraft einzustellen, um zusätzliche Leistungen im Bereich interaktiver Medien zu entwickeln. Die Mitarbeiter des Unternehmens würden ihre Erfahrungen aus der Filmproduktion einbringen, während die Nachwuchskraft mit KI-Unterstützung neue technische Möglichkeiten erprobt.

Die Förderung würde einen Teil des wirtschaftlichen Risikos abdecken, das entsteht, wenn ein Unternehmen Personal für eine Dienstleistung einstellt, die zunächst entwickelt und am Markt getestet werden muss.

Voraussetzung wären regulär vergütete, zusätzliche Arbeitsplätze mit einem nachvollziehbaren Qualifizierungskonzept. Bestehende Beschäftigungsverhältnisse dürften nicht einfach durch geförderte Nachwuchskräfte ersetzt werden. Ebenso müsste verhindert werden, dass Unternehmen dauerhaft aufeinanderfolgende Förderstellen nutzen, ohne längerfristige Beschäftigungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Für einen ersten Versuch wäre kein umfangreiches neues Förderprogramm erforderlich. Ein zeitlich und finanziell begrenztes Pilotvorhaben mit einigen kleinen Kreativunternehmen könnte zunächst untersuchen, ob die Verbindung von KI-gestützter Produktentwicklung und bezahlten Juniorstellen wirtschaftlich funktioniert.

Dabei wären die tatsächlichen Personalkosten einschließlich der fachlichen Betreuung ebenso zu erfassen wie die entwickelten Produkte, die daraus erzielten Einnahmen und die anschließende Beschäftigung der Nachwuchskräfte.

Mehr Beschäftigung durch neue Angebote

Die Entwicklung bei Anthropic zeigt, wie schnell sich die Nachfrage nach Juniorpositionen verändern kann, wenn Unternehmen große Teile ihrer bisherigen Arbeitsabläufe automatisieren. Für die Kultur- und Kreativwirtschaft könnte sich dieser Effekt insbesondere bei Tätigkeiten verstärken, die bislang als Einstieg in gestalterische, redaktionelle oder technische Berufe dienten.

Gleichzeitig sinkt durch KI der Aufwand, mit dem kleinere Unternehmen neue Produkte entwickeln und zusätzliche Leistungen erproben können.

Ein Verlag, der bisher ausschließlich gedruckte Bücher produziert, könnte digitale Zusatzangebote entwickeln. Eine Werbeagentur könnte ihren Kunden interaktive Anwendungen anbieten, für die sie bislang externe Entwickler benötigte. Ein Games-Studio könnte mehrere neue Spielideen erproben, ohne dafür seine laufende Produktion unterbrechen zu müssen.

Solche Vorhaben benötigen neben geeigneten Werkzeugen Menschen, die sie bearbeiten, weiterentwickeln und auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit überprüfen. Nachwuchskräfte könnten diese Aufgaben übernehmen, wenn erfahrene Mitarbeiter die fachliche Betreuung sicherstellen.

Die Juniorstelle würde damit früher eigene Projektverantwortung, den Umgang mit neuen Technologien und praktische Erfahrungen bei der Entwicklung zusätzlicher Angebote verbinden. Gestalterische und technische Grundlagen müssten weiterhin vermittelt werden, allerdings stärker anhand vollständiger Projekte und konkreter Kundenanforderungen.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft könnte durch KI künftig sogar mehr Juniorstellen benötigen als bisher. Voraussetzung ist, dass Unternehmen die zusätzlichen technischen Möglichkeiten auch für neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsfelder nutzen können.

Ob sich diese Entwicklung tatsächlich in zusätzliche Beschäftigung übersetzen lässt, sollte zunächst in einzelnen Unternehmen erprobt werden. Eine bezahlte Juniorstelle mit einem konkreten Entwicklungsauftrag, fachlicher Betreuung und einer auf sechs oder zwölf Monate begrenzten Förderung wäre dafür ein überschaubarer Ansatz.

Nach Ablauf dieser Zeit ließe sich feststellen, welche neuen Leistungen entstanden sind, welche Fähigkeiten der Berufseinsteiger erworben hat und ob das Unternehmen die Stelle aus eigenen Einnahmen weiterfinanzieren kann.

Damit ließe sich auch überprüfen, ob die durch KI gewonnene Produktivität ausreicht, um neben der bisherigen Arbeit zusätzliche Nachwuchskräfte zu beschäftigen. Die bisherigen Untersuchungen zeigen vor allem, wie sich die Nachfrage nach Berufseinsteigern verändert. Ob KI auch zur Schaffung neuer Juniorstellen beitragen kann, muss die Kultur- und Kreativwirtschaft erst noch herausfinden.

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