Politische Arbeit · Statement

Kreativwirtschaft ist Wirtschaftspolitik

KulturGilde fordert einfachen Förderzugang für kreative Projekte – zur Drucksache 19/10644 des Bayerischen Landtags

Statement6. März 2026FörderpolitikKreativwirtschaftBayernCreative Startup Voucher

Anlass: Änderungsantrag zum Haushaltsplan 2026/2027 · CSU und Freie Wähler

Das Statement bezieht sich auf den Änderungsantrag der Fraktionen von CSU und Freien Wählern (FW) zum Haushaltsplan 2026/2027 (Drucksache 19/10644) vom 6. März 2026, der eine Erhöhung des Haushaltstitels zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft vorsieht. Genannt werden unter anderem Mittel für den CommAward sowie eine Anschubfinanzierung für eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft als Scharnier zwischen Fördergebern und Kreativen.

Die Fraktionen der CSU und Freien Wähler (FW) benennen im Änderungsantrag zum Haushaltsplan 2026/2027 ein zentrales Problem der Kultur- und Kreativwirtschaft: Viele gute Projekte scheitern nicht an Ideen, sondern an Rechtsform, Eigenanteil, Förderbürokratie und fehlender Unterstützung bei Antragstellung und Abwicklung. Für die KulturGilde ist klar: Kreativwirtschaft ist Wirtschaftspolitik. Bayern braucht einfachere, schnellere und verlässlichere Förderzugänge für kreative Projekte, Selbstständige, Netzwerke und kleine Kreativunternehmen.

Kreativwirtschaft ist Wirtschaftspolitik

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist kein Randbereich der Kulturförderung. Sie ist Teil der bayerischen Wirtschaft: mit Selbstständigen, Freiberufler:innen, Agenturen, Studios, Kreativunternehmen, Netzwerken, Produktionsbetrieben, Veranstaltungsformaten, digitalen Dienstleistern, Games, Design, Werbung, Film, Musik, Architektur, Kommunikation und vielen weiteren Teilmärkten.

Umso wichtiger ist, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft im Bayerischen Landtag ausdrücklich im Einzelplan des Wirtschaftsministeriums behandelt wird. Der Änderungsantrag von CSU und Freien Wählern zum Haushaltsplan 2026/2027 sieht eine Erhöhung des Haushaltstitels vor. Für die KulturGilde ist dieser Ansatz richtig – aber er muss weitergedacht werden.

Gute Ideen dürfen nicht an Förderlogik scheitern

Der Änderungsantrag beschreibt sehr präzise, was viele Akteurinnen und Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft seit Jahren erleben: Fördermittel sind oft vorhanden, aber für kleine kreative Initiativen, freie Teams, Netzwerke oder junge Kreativunternehmen praktisch schwer erreichbar.

Häufig fehlt die passende juristische Form. Eigenanteile können nicht vorfinanziert werden. Spenden können nicht steuervergünstigt angenommen werden. Antragstellung, Verwendungsnachweise und Förderabwicklung schrecken ab oder überfordern kleine Strukturen.

Bayern verliert kreative Projekte nicht, weil es zu wenig Ideen gibt. Bayern verliert sie, weil gute Ideen zu oft an Formularen, Eigenmitteln, Rechtsformen und bürokratischen Verfahren hängen bleiben.

KulturGilde fordert niedrigschwellige Förderzugänge

Die KulturGilde fordert deshalb eine Förderpolitik, die zur Arbeitsrealität der Kultur- und Kreativwirtschaft passt. Kreative Projekte entstehen häufig in freien Teams, projektbezogenen Kooperationen, kleinen Unternehmen, Netzwerken und Mischformen zwischen Selbstständigkeit, Unternehmertum, Kulturarbeit und Innovation.

Förderinstrumente müssen diese Realität abbilden. Gerade kleine Kreativunternehmen und freie Projektteams haben oft nicht die Verwaltungskapazität großer Träger. Wer sie fördern will, muss Förderlogik einfacher machen.

Die KulturGilde fordert

1

Einfache Erstzugänge für kleine Projektvorhaben

Wer ein kreatives Projekt starten will, braucht schnelle, unkomplizierte Förderzugänge – ohne lange Antragsverfahren und komplizierte Rechtsformanforderungen.

2

Klare Ansprechpartner:innen für die Kreativwirtschaft

Bayern braucht dedizierte Anlaufstellen für die Kultur- und Kreativwirtschaft – kompetent, niedrigschwellig und regional erreichbar.

3

Unterstützung bei Eigenanteilen und Vorfinanzierung

Viele kreative Akteur:innen scheitern nicht am Projekt, sondern an der Vorfinanzierung des Eigenanteils. Hier braucht es praktische Lösungen.

4

Projektträger- und Scharnierstrukturen für freie Teams

Für Netzwerke und freie Projektteams ohne eigene Trägerstruktur braucht es organisatorische Zwischenstrukturen, die Förderabwicklung ermöglichen.

5

Weniger Bürokratie, schnellere Entscheidungen

Gerade kleine Fördersummen müssen schnell und einfach abgewickelt werden – ohne denselben bürokratischen Aufwand wie Großprojekte.

Ein Creative Startup Voucher wäre ein praktischer nächster Schritt

Aus Sicht der KulturGilde sollte Bayern die Diskussion um eine bessere Förderstruktur mit einem konkreten Instrument verbinden: einem Creative Startup Voucher für Gründungs-, Innovations- und Professionalisierungsprojekte in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Ein solcher Voucher könnte kleine, aber entscheidende Entwicklungsschritte ermöglichen: Webseite, Prototyp, Markteintritt, Messeauftritt, Designentwicklung, Kommunikationskonzept, Digitalisierung, Projektentwicklung oder Kooperation mit einem Unternehmen. Gerade in der Kreativwirtschaft sind oft nicht riesige Fördersummen entscheidend, sondern schnelle, verlässliche und unbürokratische Unterstützung im richtigen Moment.

Zur Creative-Startup-Voucher-Position

Nordbayern und die Metropolregion Nürnberg stärker einbinden

Kultur- und Kreativwirtschaft findet nicht nur in München statt. Bayern braucht eine Förderpolitik, die die Vielfalt des Freistaats sichtbar macht: Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg, Würzburg, Regensburg, Augsburg, ländliche Räume und regionale Kreativnetzwerke.

Die Metropolregion Nürnberg bietet besondere Potenziale: Games, Medien, Design, Werbung, Software, Museen, Handwerk, Tourismus, Stadtentwicklung, Veranstaltungen und mittelständische Unternehmen treffen hier aufeinander. Daraus können neue Projekte, neue Märkte und neue Kooperationen entstehen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die KulturGilde steht bereit, diese Entwicklung als Verband, Netzwerk- und Projektplattform aktiv zu begleiten.

„Die Fraktionen von CSU und Freien Wählern beschreiben im Änderungsantrag sehr genau, woran kreative Projekte in der Praxis oft scheitern: nicht an Ideen, sondern an Rechtsform, Eigenanteil, Bürokratie und fehlender Förderlogik. Wer die Kultur- und Kreativwirtschaft ernst nimmt, muss ihr den Zugang zu Förderung, Aufträgen und Märkten erleichtern. Kreativwirtschaft ist Wirtschaftspolitik – und sie braucht Instrumente, die zu ihrer Realität passen."

Roland Weiniger, Vorstandsvorsitzender der KulturGilde

Die KulturGilde fordert die Bayerische Staatsregierung und den Bayerischen Landtag auf, die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft strukturell weiterzuentwickeln.

Bayern braucht einen einfachen, transparenten und regional zugänglichen Förderweg für kreative Projekte, Selbstständige, Netzwerke sowie kleine und mittelständische Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Einzelne Zuschüsse sind ein wichtiges Signal. Entscheidend ist jetzt eine dauerhafte Infrastruktur, die kreative Ideen schneller in Projekte, Kooperationen, Unternehmen und wirtschaftliche Wirkung bringt.

Austausch und Dialog

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Die KulturGilde sucht den Austausch mit Politik, Verwaltung, Förderinstitutionen, Kreativnetzwerken und Unternehmen, um praxisnahe Förderinstrumente für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern weiterzuentwickeln.

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