Verzögerte Förderbescheide sind mehr als ein Verwaltungsproblem. Sie können Kulturorte, freie Träger, Museen, Festivals und ganze Wertschöpfungsketten der Kultur- und Kreativwirtschaft unter Druck setzen. Die KulturGilde fordert verlässliche Förderverfahren, klare Fristen und mehr Bewusstsein für die wirtschaftlichen Folgen verzögerter Kulturförderung.
Die aktuellen Berichte über verzögerte Kulturförderung in Thüringen sind mehr als ein regionales Verwaltungsthema. Sie zeigen exemplarisch, wie verletzlich Kulturorte, freie Träger, Museen, Festivals und die dahinterstehende Kultur- und Kreativwirtschaft werden, wenn öffentliche Förderentscheidungen zu spät, zu unklar oder unter Haushaltsvorbehalt getroffen werden.
Denn Kulturförderung ist nicht nur Kulturpolitik. Sie ist auch Wirtschaftspolitik.
Wenn Museen, Vereine, Festivals oder Kulturinitiativen zur Jahresmitte noch nicht wissen, ob beantragte Mittel kommen, geraten nicht nur Programme und Veranstaltungen ins Wanken. Es entsteht ein Dominoeffekt: Ausstellungen werden verschoben, Bildungsangebote gekürzt, Kommunikationsmaßnahmen gestoppt, Aufträge nicht vergeben, freie Mitarbeitende nicht gebucht, Dienstleister nicht beauftragt.
Gerade kleine Träger, freie Kulturakteurinnen und Kulturakteure sowie Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft können solche Unsicherheiten kaum abfedern. Große Institutionen verfügen eher über Rücklagen, Personalstrukturen oder politische Zugänge. Kleine Organisationen, Solo-Selbstständige und KMU dagegen müssen häufig in Vorleistung gehen, Termine halten, Räume buchen, Personal einplanen und Auftragnehmer koordinieren.
Wenn dann Förderbescheide ausbleiben, wird aus öffentlicher Unsicherheit ein privates Liquiditätsrisiko.
Die KulturGilde fordert deshalb, Kulturförderung stärker aus der Perspektive ihrer tatsächlichen Wirkungsketten zu betrachten. Ein Förderbescheid ist nicht nur ein Verwaltungsakt zwischen Staat und Einrichtung. Er ist häufig der Startpunkt für zahlreiche Aufträge, Kooperationen und Beschäftigungsverhältnisse in der Kreativwirtschaft.
Der Fall Thüringen sollte bundesweit ernst genommen werden. Nicht, weil jedes Bundesland die gleiche Situation hätte. Sondern weil überall dort, wo Kulturförderung projektbasiert, spät und bürokratisch organisiert ist, ähnliche Risiken entstehen können.
Kulturförderung darf nicht zur Hängepartie werden. Wer Kultur ermöglicht sehen will, muss auch Planungssicherheit ermöglichen.
Ausgangspunkt des Statements ist ein Bericht über wachsende Kritik an Verzögerungen bei der Kulturförderung in Thüringen. Genannt werden ausbleibende bzw. unklare Förderbescheide zur Jahresmitte, Kritik aus der Landespolitik, Warnungen aus der Museumslandschaft sowie der Verweis auf haushaltsbedingte Sparvorgaben. Zum Bericht (Welt.de, externer Link)