Position·Kulturelles Erbe·Kreativnetz MAHO

Künstlerische Nachlässe sichern: Kulturelles Erbe braucht Fachstrukturen, Vernetzung und politische Unterstützung

Künstlerische Vor- und Nachlässe sind kulturelles Gedächtnis, Wissensspeicher und Teil regionaler Kulturgeschichte. Die fachliche Sicherung gehört in spezialisierte Hände – in Bayern insbesondere zum Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V. KulturGilde und MAHO unterstützen durch politische Kommunikation, Vernetzung und die Vermittlung technologischer sowie kreativwirtschaftlicher Kompetenzen.

25. Juni 2026

Künstlerische Vor- und Nachlässe sind mehr als private Erinnerungsstücke oder Material für Archive. Sie sind Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Sie erzählen von Arbeitsweisen, Stilentwicklungen, regionalen Szenen, gesellschaftlichen Umbrüchen, künstlerischen Netzwerken, Orten, Milieus und Lebensentwürfen.

Aus Sicht der KulturGilde und des Kreativnetz MAHO ist ihre Sicherung vor allem eine kulturelle, erinnerungspolitische und wissenschaftliche Aufgabe. Sie berührt aber auch wirtschaftspolitische Fragen: Welche Strukturen braucht Kulturelles Erbe? Wie werden spezialisierte Einrichtungen dauerhaft unterstützt? Welche Rolle spielen Digitalisierung, Vermittlung, Technik, Rechteklärung und kreative Dienstleistungen? Und wie können Politik, Verwaltung, Archive, Museen, Kommunen, Kreativwirtschaft und Fachvereine besser zusammenarbeiten?

Dabei ist für uns klar: Die KulturGilde und das Kreativnetz MAHO verstehen sich nicht als operative Nachlassinstitution. Wir nehmen keine Künstlernachlässe an, betreiben keine Depots, bewerten keine Bestände, übernehmen keine fachliche Kuratierung und organisieren keine Nachlassprojekte in eigener Verantwortung.

Diese Aufgaben gehören in spezialisierte Hände.

Für Bayern ist insbesondere der Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V. der fachlich naheliegende Ansprechpartner. Der Verein verfolgt das Ziel, künstlerische Vor- und Nachlässe, Teilnachlässe und Sammlungen aus bildender und angewandter Kunst als Kulturgut zu erhalten, zu erschließen, zu dokumentieren und für Wissenschaft sowie Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er plant unter anderem ein Pilotdepot für gefährdete Künstlernachlässe in Bayern.

Die Rolle der KulturGilde und des Kreativnetz MAHO liegt dort, wo unsere Stärke als Verband, Vernetzungs- und Projektplattform der Kultur- und Kreativwirtschaft liegt: Wir unterstützen durch politische Kommunikation, öffentliche Sichtbarkeit, strategische Vernetzung und die Vermittlung von Kontakten zu geeigneten Kreativunternehmen, technischen Dienstleistern und digitalen Kompetenzen.

Unsere Rolle: unterstützen, vernetzen, sichtbar machen

Die KulturGilde und das Kreativnetz MAHO übernehmen keine operative Nachlassarbeit. Wir nehmen keine Nachlässe an, betreiben keine Depots und entscheiden nicht über die fachliche Bewertung von Beständen. Diese Aufgaben liegen bei spezialisierten Einrichtungen wie dem Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V., Museen, Archiven oder anderen fachlich geeigneten Trägern.

Unser Beitrag liegt in der Vernetzung, politischen Kommunikation, öffentlichen Sichtbarkeit und in der Vermittlung technologischer sowie kreativwirtschaftlicher Kompetenzen – etwa in den Bereichen Digitalisierung, Fotografie, Datenstruktur, Gestaltung, Medienproduktion, Ausstellungsentwicklung oder digitale Vermittlung.

Fachliche Verantwortung

Nachlässe sind keine Ablage – sie brauchen fachliche Verantwortung

Wer künstlerische Nachlässe bewahrt, bewahrt nicht nur Objekte. Er schafft Zugänge, Kontexte und neue Nutzungsmöglichkeiten.

Ein erschlossener Nachlass kann Grundlage für Ausstellungen, Publikationen, Bildungsangebote, touristische Formate, digitale Sammlungen, Dokumentationen, Stadtführungen, Forschungsprojekte, Podcasts, Filme, Theaterarbeiten, Games, Vermittlungsangebote oder Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und Unternehmen sein.

Diese Potenziale entstehen aber nicht automatisch. Sie setzen fachliche Auswahl, konservatorische Kompetenz, rechtliche Klarheit, Dokumentation, geeignete Räume, langfristige Betreuung und verantwortliche Institutionen voraus.

Deshalb ist es richtig, dass konkrete Nachlassarbeit grundsätzlich von spezialisierten Einrichtungen wie dem Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V., Museen, Archiven, Bibliotheken oder fachlich geeigneten Trägern übernommen wird. KulturGilde und Kreativnetz MAHO können diese Arbeit ergänzen, aber nicht ersetzen.

Kulturelles Erbe und Kreativwirtschaft

Kulturelles Erbe als Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft verstehen

Die Bewahrung, Erschließung, Digitalisierung, Vermittlung und Präsentation künstlerischer Nachlässe schafft Arbeit für viele Teilbereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft: Restaurierung, Archivwesen, Fotografie, Film, Musik, Design, Ausstellungsentwicklung, Kulturvermittlung, Verlagswesen, digitale Anwendungen, Storytelling, Medienproduktion, Software, Games, Virtual Reality, wissenschaftliche Dokumentation, Rechteklärung und Projektmanagement.

Kulturelles Erbe ist in erster Linie Gedächtnis und Verantwortung. Wo es erschlossen und zugänglich gemacht wird, können daraus auch Anschlussstellen für Archive, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Rechteverwaltung, Vermittlung, Tourismus oder Kreativwirtschaft entstehen.

Gerade für Regionen, Städte und Gemeinden ist das relevant. Viele künstlerische Nachlässe haben zunächst eine lokale oder regionale Bedeutung. Daraus können identitätsstiftende Projekte entstehen – wenn die fachliche Nachlassarbeit gesichert ist und passende Partner aus Kultur, Verwaltung, Kreativwirtschaft, Technik und Vermittlung zusammenfinden.

Hier sieht das Kreativnetz MAHO eine sinnvolle unterstützende Rolle: nicht als Träger operativer Nachlassprojekte, sondern als Brücke zwischen Fachinstitutionen, Kreativwirtschaft, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Mitwirken

Für wen ist das relevant?

Für Kreativunternehmen und Dienstleister

Du arbeitest in Digitalisierung, Fotografie, Gestaltung, Film, Ausstellung, Vermittlung, Software, Games, VR/AR, Medientechnik, Restaurierung, Kommunikation oder Projektmanagement? Dann kann die KulturGilde helfen, deine Kompetenz im Umfeld Kulturelles Erbe sichtbarer zu machen.

Als Kreativdienstleister im Netzwerk mitwirken

Für Institutionen, Vereine und Netzwerke

Museen, Archive, Kulturvereine, Heimatinitiativen, Stiftungen und kommunale Einrichtungen brauchen starke Verbindungen zu Kreativwirtschaft, Technik, Politik und Öffentlichkeit. Die KulturGilde schafft dafür Netzwerk- und Kommunikationsräume.

Als Institution Kontakt aufnehmen

Für Unterstützerinnen und Unterstützer

Wer Kulturelles Erbe, regionale Kulturarbeit und Kreativwirtschaft stärken will, kann die politische und öffentliche Arbeit der KulturGilde im Netzwerk oder im Trägerkreis unterstützen.

Im Netzwerk mitwirken
Strukturelle Herausforderung

Die Teilbranche Kulturelles Erbe braucht passende Rahmenbedingungen

Die Kultur- und Kreativwirtschaft arbeitet oft projektbasiert, kleinteilig und interdisziplinär. Genau das gilt auch für viele Akteure im Bereich Kulturelles Erbe.

Neben öffentlichen Einrichtungen leisten Vereine, Stiftungen, freie Kuratorinnen und Kuratoren, Restauratorinnen und Restauratoren, Kulturvermittler, Designerinnen, Medienproduzenten, Digitaldienstleister und ehrenamtliche Initiativen entscheidende Arbeit.

Diese Strukturen passen aber häufig schlecht zu klassischen Förderlogiken. Nachlassarbeit ist selten ein klar abgegrenztes Einzelprojekt. Sie ist langfristig, arbeitsintensiv und braucht Vertrauen, Fachwissen, Räume, Technik, Personal und rechtliche Sicherheit.

Forderungen

Deshalb fordern KulturGilde und Kreativnetz MAHO:

1

Fachliche Nachlassstrukturen in Bayern stärken

Die operative Sicherung, Sichtung, Bewertung, Dokumentation und Vermittlung künstlerischer Vor- und Nachlässe braucht spezialisierte Einrichtungen. In Bayern sollte insbesondere die Arbeit des Vereins Bayerische Künstlernachlässe e.V. politisch wahrgenommen und verlässlich unterstützt werden.

2

Dauerhafte Finanzierung statt kurzfristiger Projektlogik

Nachlassbewahrende Einrichtungen und Initiativen brauchen Planungssicherheit. Kurzfristige Förderprogramme reichen nicht aus, wenn Bewahrung, Erschließung, Digitalisierung und Vermittlung dauerhaft geleistet werden sollen. Das gilt auch für Modellprojekte wie ein Pilotdepot für gefährdete Künstlernachlässe in Bayern.

3

Kulturelles Erbe auch in seinen wirtschaftlichen Bezügen mitdenken

Nachlassbewahrung ist kulturelle Verantwortung – und kann zugleich wirtschaftliche Wirkung entfalten. Erschließung, Digitalisierung, Ausstellung und Vermittlung schaffen Aufträge für Kreativwirtschaft, Archive, Forschung und Publikationen. Diese Zusammenhänge sollten politisch stärker anerkannt werden.

4

Regionale Beratung und klare Zuständigkeiten ausbauen

Künstlerinnen und Künstler, Familien, Erbinnen und Erben brauchen niedrigschwellige Orientierung: Wer ist zuständig? Welche Institutionen kommen infrage? Welche Rechtefragen müssen geklärt werden? Diese Beratung sollte bei spezialisierten Fachstellen liegen. KulturGilde und MAHO können helfen, solche Anlaufstellen politisch sichtbarer zu machen.

5

Technologische und kreativwirtschaftliche Dienstleister gezielt vermitteln

Nachlassarbeit braucht Fachleute aus Archiv, Restaurierung, Gestaltung, Digitalisierung, Kommunikation, Vermittlung und Projektentwicklung. KulturGilde und Kreativnetz MAHO können Kontakte zu geeigneten Kreativunternehmen und technischen Dienstleistern herstellen. Die Beauftragung und fachliche Steuerung bleibt bei den zuständigen Fachinstitutionen.

6

Digitalisierung und Original gemeinsam denken

Digitalisierung ist notwendig, aber kein Ersatz für das Original. Sie braucht gute Daten, Rechteklärung, technische Standards, langfristige Speicherung und Vermittlungskonzepte. Die fachliche Entscheidung, was digitalisiert wird und wie, liegt bei den nachlassbewahrenden Einrichtungen.

7

Faire Honorare und klare Rechte

Nachlassarbeit berührt Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte, Eigentumsfragen und Nutzungsrechte. Wer Nachlässe erschließt, digitalisiert, kuratiert oder vermittelt, braucht klare Verträge, rechtliche Beratung und faire Vergütung. Auch technische, gestalterische und vermittelnde Leistungen rund um Kulturelles Erbe sind professionelle Arbeit.

Standortpolitik

Kulturelles Erbe ist Standortpolitik

Für Kommunen und Regionen kann der professionelle Umgang mit künstlerischen Vor- und Nachlässen ein wichtiger Standortfaktor sein. Er stärkt kulturelle Identität, macht lokale Geschichte sichtbar, schafft Anlässe für Veranstaltungen und Ausstellungen, ermöglicht Bildungsarbeit und unterstützt Tourismus, Stadtmarketing und regionale Kreativwirtschaft.

Gerade kleinere Städte und ländliche Räume verfügen oft über künstlerische Biografien, Sammlungen, Werkstätten, Ateliers, Vereinsarchive, Fotografien, Filme oder private Bestände, die bislang kaum erschlossen sind. Daraus können neue Kulturprojekte entstehen – wenn die entsprechenden Fachstrukturen vorhanden sind.

KulturGilde und Kreativnetz MAHO plädieren deshalb dafür, Nachlasssicherung nicht nur als Aufgabe großer Museen und Archive zu verstehen. Auch spezialisierte Vereine wie Bayerische Künstlernachlässe e.V., regionale Netzwerke, freie Träger, Kreativunternehmen und zivilgesellschaftliche Initiativen müssen Teil einer abgestimmten Struktur sein.

Zusammenarbeit

Kulturelles Erbe braucht Netzwerke – aber klare Rollen

Die Sicherung künstlerischer Vor- und Nachlässe gelingt nicht durch einzelne Institutionen allein. Sie braucht Zusammenarbeit zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Erbinnen und Erben, Archiven, Museen, Bibliotheken, Hochschulen, Kommunen, Kulturämtern, Kreativunternehmen, Vereinen, Stiftungen und regionalen Netzwerken.

Dabei müssen die Rollen klar bleiben:

  • Der Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V. und andere fachlich zuständige Einrichtungen übernehmen die konkrete Nachlassarbeit.
  • KulturGilde und Kreativnetz MAHO unterstützen dort, wo Vernetzung, politische Kommunikation, öffentliche Sichtbarkeit, technische Kontakte und kreativwirtschaftliche Kompetenz gefragt sind.

So entsteht kein Nebeneinander konkurrierender Zuständigkeiten, sondern eine sinnvolle Arbeitsteilung: fachliche Verantwortung auf der einen Seite, politische und kreativwirtschaftliche Unterstützung auf der anderen.

Fachpool Kulturelles Erbe

Die KulturGilde und das Kreativnetz MAHO sammeln Kontakte zu technologischen und kreativwirtschaftlichen Kompetenzen rund um Kulturelles Erbe. Gesucht werden Dienstleister, Kreativunternehmen und Freiberufler:innen aus Digitalisierung, Fotografie, Datenstruktur, Gestaltung, Medienproduktion, Ausstellung, Vermittlung, Software, Games, VR/AR, Restaurierung, Kommunikation und Projektmanagement.

Die Eintragung in den Fachpool ist keine Beauftragung und keine Nachlassannahme. Konkrete fachliche Nachlassarbeit liegt bei spezialisierten Einrichtungen wie dem Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V., Museen, Archiven oder anderen fachlich geeigneten Trägern.

Bitte melden Sie sich.

Wie sieht es in Ihrer Praxis aus?

Haben Sie mit einem künstlerischen Nachlass gearbeitet oder kennen Sie einen Nachlass, dessen Erhalt, Erschließung oder öffentliche Vermittlung gefährdet ist?

Drei Stichpunkte genügen. Wenn Ihr Beitrag als öffentliche Praxisstimme infrage kommt, übernimmt die KulturGilde Ihren freigegebenen Wortlaut. Redaktionelle Überschrift, Einordnung und Kontext werden davon getrennt dargestellt.

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Roland Weiniger, KulturGilde

„Künstlerische Vor- und Nachlässe sind nicht nur Erinnerungsstücke. Sie sind Wissensspeicher, Arbeitsgrundlage und Teil regionaler Kulturgeschichte. Die fachliche Sicherung gehört in spezialisierte Hände – in Bayern insbesondere zum Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V. Unsere Aufgabe als KulturGilde und Kreativnetz MAHO ist nicht die operative Nachlassarbeit, sondern die Unterstützung: politische Sichtbarkeit schaffen, Netzwerke öffnen und technologische sowie kreativwirtschaftliche Kompetenzen vermitteln."

Kreativnetz MAHO

„Kulturelles Erbe braucht klare Zuständigkeiten und gute Netzwerke. Wir wollen keine Nachlassinstitution ersetzen. Wir wollen helfen, die richtigen Menschen zusammenzubringen: Fachvereine, Museen, Archive, Kommunen, Kreativunternehmen, Technikdienstleister und politische Ansprechpartner."

Ins Gespräch kommen

Kulturelles Erbe braucht Fachstrukturen – und ein starkes Netzwerk

Für die fachliche Sicherung, Sichtung und Betreuung künstlerischer Nachlässe sind spezialisierte Einrichtungen wie der Verein Bayerische Künstlernachlässe e.V. die richtigen Ansprechpartner. Die KulturGilde und das Kreativnetz MAHO unterstützen ergänzend durch Vernetzung, politische Kommunikation und die Vermittlung geeigneter technologischer oder kreativwirtschaftlicher Kontakte. Wer diese Arbeit politisch, wirtschaftlich oder fachlich unterstützen möchte, kann Mitglied der KulturGilde werden oder sich in den Fachpool Kulturelles Erbe eintragen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Deutscher Kulturrat: „Künstlerische Vor- und Nachlässe als bedeutendes Kulturerbe sichern und nachlassbewahrende Institutionen adäquat finanzieren" (25.06.2026) — kulturrat.de
  • Bayerische Künstlernachlässe e.V. – Fachlicher Ansprechpartner für Künstlernachlässe in Bayern — kuenstlernachlaesse.bayern