Schaustellergewerbe und Erlebniswirtschaft | KulturGilde
KulturGilde-erweiterte Teilbranche

Schaustellergewerbe

Fahrgeschäfte, Volksfeste und mobile Erlebniswelten als kreative Wirtschaftsleistung.

Die KulturGilde führt das Schaustellergewerbe als eigene erweiterte Teilbranche, weil Schausteller:innen mobile Erlebnisräume gestalten und dabei Technik, Gestaltung, Dramaturgie, Licht, Sound, Logistik, Gastlichkeit und regionale Kultur verbinden.

Das Schaustellergewerbe wird oft nur als Freizeit- oder Volksfestbranche wahrgenommen. Die KulturGilde betrachtet es als Teil einer erweiterten Kultur- und Kreativwirtschaft. Denn Schausteller:innen gestalten Erlebnisräume – und das ist kreative Arbeit.

Sie arbeiten mit Dramaturgie, Licht, Sound, Bewegung, Dekoration, Technik, Marken, Publikumserwartungen, Sicherheit, Logistik, Atmosphäre und Emotionen. Volksfeste sind Kulturorte, Stadtgesellschaft, Familienunternehmen, Tourismus, regionale Identität, mobile Erlebniswirtschaft und lokaler Wirtschaftsfaktor zugleich.

Das Schaustellergewerbe fällt in Wirtschaftsstatistiken oft unter „Freizeit" oder „Gastgewerbe". Die kreative, gestalterische und erlebnisgestaltende Dimension wird kaum erfasst. Die KulturGilde macht diese Leistung sichtbar – weil Kreativwirtschaft nicht nur in Ateliers, Galerien und Agenturen stattfindet.

Kennzahlen Schaustellerbranche / Volksfeste 2023

Stand 2023·Quelle: Deutscher Schaustellerbund (DSB), Wirtschaftsstudie Volksfeste 2023

Schaustellerunternehmen

~5.600

Beschäftigte

~30.800

Geschäfte (Fahrgeschäfte, Buden etc.)

~13.200

Volksfeste in Deutschland

~9.750

Weihnachtsmärkte

~3.250

Volksfestbesuche

198,4 Mio.

Bruttoumsatz auf Volksfestplätzen

6,51 Mrd. €

Ausgaben pro Besucher:in und Tag

32,80 €

Diese Zahlen stammen nicht aus dem BMWE-Monitoringbericht, sondern aus Branchenerhebungen des Deutschen Schaustellerbunds.

Typische Akteur:innen

Schausteller:innenFahrgeschäftbetreiber:innenFahrgeschäftbauerDekorateur:innenLichtdesigner:innenSounddesigner:innenVergnügungsparkplaner:innenKulissenbauerRequisiteur:innenAnbieter mobiler AttraktionenVolksfestgastronomieSüßwarenbetriebeSpielgeschäfteLogistik- und SicherheitsdienstleisterGestalter:innen von Themenwelten

Volksfeste und Jahrmärkte als kulturelle Erlebnisräume

Ein Volksfest ist kein zufälliger Zusammenschluss von Buden und Fahrgeschäften. Es ist ein gestalteter Erlebnisraum mit Dramaturgie, Licht, Sound, Bewegung, Gerüchen, Geschmack und sozialer Begegnung. Menschen kommen nicht nur für Riesenrad und Zuckerwatte. Sie kommen für das Erlebnis, für das Gefühl, für die Gemeinschaft.

Volksfeste sind kulturelle Institutionen – regional verankert, saisonal, von Generationen geprägt. Das Nürnberger Herbstvolksfest, das Münchner Oktoberfest, Kirchweihen in Franken: All das sind kulturelle Traditionen, die kreative Arbeit brauchen, um lebendig zu bleiben.

Fahrgeschäfte: Technik, Gestaltung und Storytelling

Ein modernes Fahrgeschäft ist ein Ingenieur- und Designprodukt. Struktur, Mechanik, Elektronik, Sicherheitstechnik – alles muss funktionieren. Gleichzeitig ist ein Fahrgeschäft eine Inszenierung: Licht, Sound, Bewegung, Markenname, Farbgebung, Dekoration, Warteschlangen-Erlebnis.

Viele Fahrgeschäftbauer sind spezialisierte Unternehmen – Handwerker:innen, Techniker:innen, Designer:innen, Installateur:innen in einem. Ihre Produkte reisen durch die Welt, stehen für wenige Tage an einem Ort und müssen trotzdem perfekt funktionieren.

Schaustellerbetriebe als Familienunternehmen

Das Schaustellergewerbe ist zu einem großen Teil eine Familienbranche. Betriebe werden über Generationen weitergegeben. Das bedeutet Tradition, Identität und Stabilität – aber auch erhebliches unternehmerisches Risiko: saisonale Einnahmen, hohe Investitionskosten, Abhängigkeit von Wetter und Genehmigungen.

Viele Schaustellerfamilien investieren jedes Jahr in neue Gestaltungskonzepte, neue Dekorationen, neue Technik. Das ist kreative und unternehmerische Leistung, die gesellschaftlich selten anerkannt wird. Über 30 Prozent der Volksfeste werden heute mit grünem Strom betrieben – ein Hinweis auf das wachsende Nachhaltigkeitsbewusstsein der Branche.

Erlebniswirtschaft und gesellschaftliche Funktion

Volksfeststätten sind Orte, an denen Stadtgesellschaft stattfindet – über Generationen, Milieus und Altersgruppen hinweg. Fast 30 Prozent der Gäste kommen mit Bahn oder ÖPNV, jede:r Fünfte zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das zeigt: Volksfeste sind eingebettete Infrastruktur des sozialen Lebens.

Die KulturGilde hat beim Presserundgang vor dem Start des Nürnberger Herbstvolksfests 2025 genau hingeschaut: Was steckt hinter dem, was Besucher:innen sehen? Was leisten Schaustellerfamilien wirklich? Und warum wird diese Leistung wirtschaftspolitisch so selten anerkannt?

KulturGilde-Perspektive

Die KulturGilde betrachtet das Schaustellergewerbe als erweiterte Teilbranche, weil hier Erlebnisräume gestaltet werden. Volksfeste verbinden Storytelling, Sound, Licht, Bewegung, Gastlichkeit, regionale Kultur und wirtschaftliches Risiko. Gerade diese Verbindung macht die Branche für die Kultur- und Kreativwirtschaft relevant. Das Schaustellergewerbe ist kein offizieller BMWE-Teilmarkt, aber ein kreatives, wirtschaftlich bedeutendes Feld.

Herausforderungen der Branche

Was Akteure dieser Teilbranche heute bewegt – und warum politische und wirtschaftliche Unterstützung wichtig ist.

Steigende Betriebskosten

Energie, Personal, Logistik, Instandhaltung und Sicherheitsprüfungen verteuern den Betrieb kontinuierlich.

Genehmigungen und Flächenkonflikte

Stellplätze, Aufbauzeiten, Sicherheitsauflagen – bürokratischer Aufwand ist hoch. Innenstadtflächen werden seltener und teurer.

Nachwuchs in Familienbetrieben

Weniger Familien setzen die Tradition fort. Fachkräfte für Wartung, Gestaltung und Betrieb sind schwer zu finden.

Saisonalität und Wetterrisiken

Einnahmen konzentrieren sich auf wenige Monate. Schlechtes Wetter kann eine gesamte Saisonplanung zunichtemachen.

Politische Sichtbarkeit

Die Branche ist in Verbänden vertreten, aber in wirtschaftspolitischen Debatten über Kreativwirtschaft kaum präsent.

Öffentliche Wahrnehmung

Das Schaustellergewerbe wird oft nur als Freizeitbranche gesehen – die kreative, gestalterische und erlebnisgestaltende Dimension bleibt unsichtbar.

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Häufige Fragen

Antworten zu dieser Teilbranche der Kreativwirtschaft.

Quellen und Datengrundlage

Branchenzahlen: Deutscher Schaustellerbund (DSB) / Wirtschaftsstudie Volksfeste 2023. Diese Zahlen beschreiben die Schaustellerbranche auf Basis von Verbandserhebungen und sind nicht mit den BMWE-Teilmarkt-Daten des Monitoringberichts vergleichbar. Das Schaustellergewerbe ist kein offizieller BMWE-Teilmarkt der Kultur- und Kreativwirtschaft.

  • Deutscher Schaustellerbund (DSB) / Schaustellergewerbe
  • BMWE / Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft (Bezugsrahmen)