Nürnberg, 22. Januar 2026
Die KulturGilde fordert, die Kultur- und Kreativwirtschaft deutlich stärker als wirtschaftspolitisches Handlungsfeld zu behandeln. Anlass ist die neue Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts „Erwerbstätige in Kultur und Kulturwirtschaft", die am 21. Januar 2026 veröffentlicht wurde. Die Zahlen zeigen: Kultur- und Kreativwirtschaft ist kein Randbereich, sondern ein relevanter Arbeitsmarkt mit Millionen Erwerbstätigen, vielen Selbstständigen, kleinen Unternehmen und projektbasierten Arbeitsformen.
Laut der Auswertung arbeiteten 2024 rund 1,285 Millionen Menschen in Kulturberufen. In kulturrelevanten Wirtschaftszweigen waren rund 2,616 Millionen Menschen tätig. Dazu zählen neben klassischen Kulturberufen auch Bereiche wie Design, Medien, Werbung, Architektur, Software, IT-Dienstleistungen, Film, Fotografie, Übersetzen, Museen, Bibliotheken und kreative Dienstleistungen. Beide Zahlen beschreiben unterschiedliche statistische Perspektiven und dürfen wegen Überschneidungen nicht addiert werden.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Blick auf die Selbstständigkeit. Während der Selbstständigenanteil am Gesamtarbeitsmarkt bei rund neun Prozent liegt, beträgt er in Kulturberufen rund ein Drittel. In einzelnen Bereichen ist der Anteil noch deutlich höher. Für die KulturGilde ist das ein klares Signal: Selbstständigkeit ist in der Kultur- und Kreativwirtschaft keine Ausnahme, sondern ein Strukturmerkmal.
Deshalb dürfen politische Instrumente nicht an der Realität der Branche vorbeigehen. Projektarbeit, wechselnde Auftraggeber, freie Teams, kreative Eigenleistung und zeitlich begrenzte Produktionen prägen viele Tätigkeiten. Eine Regulierung, die diese Arbeitsformen pauschal unter Verdacht stellt, gefährdet funktionierende Märkte. Das gilt insbesondere bei Fragen der Statusfeststellung, Scheinselbstständigkeit, Sozialversicherung und Förderfähigkeit.
Auch die Einkommenssituation zeigt aus Sicht der KulturGilde politischen Handlungsbedarf. Nach der Destatis-Auswertung beziehen 33 Prozent der Erwerbstätigen in Kulturberufen ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1.500 Euro. Besonders betroffen sind unter anderem bildende Kunst, Kunsthandwerk, Fotografie, Darstellende Kunst und Teile des Kulturhandels.
„Gerade Bayern ist ein starker Kreativwirtschaftsstandort. Aber Stärke allein reicht nicht. Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die zur Realität dieser Branche passen: faire Aufträge, einfache Förderzugänge, Rechtssicherheit für Selbstständige und eine Wirtschaftspolitik, die Kreativität nicht nur lobt, sondern konkret unterstützt."
Die KulturGilde fordert deshalb, die Kultur- und Kreativwirtschaft nicht länger nur in Kulturressorts zu verorten. Sie muss auch in Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Digital-, Gründungs- und Mittelstandspolitik systematisch berücksichtigt werden. Öffentliche Auftraggeber sollten Kreativleistungen fair, transparent und mit realistischen Budgets einkaufen. Zudem braucht Bayern ein eigenes Kreativwirtschaftsprogramm mit niedrigschwelliger Projektförderung, Beratungsangeboten und einem Creative Startup Voucher für kreative Gründungs- und Innovationsprojekte.
Ein weiterer zentraler Punkt ist aus Sicht der KulturGilde die Datenlage. Die bundesweite Sonderauswertung liefert wichtige Grundlagen. Für konkrete politische Entscheidungen vor Ort braucht es jedoch regelmäßig ausgewertete Daten für Bayern, die Bezirke und die Kommunen. Nur so können Förderbedarfe, Teilmärkte, regionale Stärken und strukturelle Probleme sichtbar gemacht werden.
„Kultur- und Kreativwirtschaft ist Arbeitsmarkt, Mittelstand, Innovationsraum und Standortpolitik zugleich. Wer diese Branche ernst nimmt, muss ihr endlich die politische Aufmerksamkeit geben, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht."
Forderungen der KulturGilde
- 1.
Kultur- und Kreativwirtschaft in der Wirtschaftspolitik verankern
Nicht nur Kulturressorts sind zuständig. Die Branche gehört auch in Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Digital-, Gründungs- und Mittelstandspolitik.
- 2.
Selbstständigkeit realistisch regulieren
Statusfeststellung und Scheinselbstständigkeitsprüfung müssen projektbasierte Arbeit, wechselnde Auftraggeber und kreative Eigenleistung berücksichtigen.
- 3.
Faire öffentliche Aufträge für Kreativleistungen schaffen
Öffentliche Auftraggeber sollen Honoraruntergrenzen, faire Zahlungsziele, transparente Vergabekriterien und realistische Budgets beachten.
- 4.
Ein bayerisches Kreativwirtschaftsprogramm auflegen
Mit Creative Startup Voucher, niedrigschwelliger Projektförderung, Beratung und Unterstützung für KMU, Selbstständige und Kreativunternehmen.
- 5.
Die regionale Datenlage verbessern
Bayern und die Bezirke brauchen regelmäßig ausgewertete Daten zur Kultur- und Kreativwirtschaft, nicht nur Bundeszahlen.
Politische Position
Zur ausführlichen politischen Einordnung
Die KulturGilde hat zur selben Sonderauswertung eine ausführliche politische Position veröffentlicht.
Über die KulturGilde
Die KulturGilde ist ein Verband der Kultur- und Kreativwirtschaft. Sie setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für Kreative, Kulturschaffende, Selbstständige, Freiberufler:innen sowie kleine und mittelständische Unternehmen der Kreativwirtschaft ein. Die KulturGilde verbindet politische Arbeit, Vernetzung, Kreativnetze und öffentliche Sichtbarkeit für eine Branche, die wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich relevant ist.
Datengrundlage
Statistisches Bundesamt (Destatis), Sonderauswertung Mikrozensus, erschienen 21. Januar 2026
Grundlage dieser Pressemitteilung ist die Sonderauswertung „Erwerbstätige in Kultur und Kulturwirtschaft" des Statistischen Bundesamts, erschienen am 21. Januar 2026. Die Auswertung basiert auf dem Mikrozensus und betrachtet Kulturberufe sowie kulturrelevante Wirtschaftszweige in Deutschland.
