Branchenbeobachtung21. Juli 2026München / Bayern

Innovation entsteht an Schnittstellen: Was der Bayerische Gründerpreis 2026 über Bayerns Wirtschaft erzählt

Kreative Kompetenz als Teil erfolgreicher Geschäftsmodelle

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Künstliche Hautmodelle, digitale Bürgerkommunikation, Radarsimulation und erfolgreiche Unternehmensnachfolge: Der Bayerische Gründerpreis 2026 macht die Vielfalt des bayerischen Unternehmertums sichtbar. Er zeigt zugleich, wie wenig sich Innovation heute noch einzelnen Branchen zuordnen lässt. Kreative Leistungen sind dabei häufig nicht bloß schmückendes Beiwerk, sondern ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells.

Nach siebenjähriger Pause ist der Bayerische Gründerpreis zurück. Am 20. Juli 2026 wurden in München Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten in den Kategorien Start-up, Aufsteiger, Nachfolge und Lebenswerk ausgezeichnet. Der Sparkassenverband Bayern will mit dem neu aufgelegten Preis Menschen sichtbar machen, die Ideen in tragfähige Geschäftsmodelle verwandeln, Verantwortung übernehmen und den Wirtschaftsstandort Bayern weiterentwickeln.

Die ausgezeichneten Unternehmen kommen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. TigerShark Science aus Würzburg entwickelt menschliche Hautmodelle für Forschung, Pharma- und Kosmetikindustrie. Die Cosmema GmbH unterstützt Kommunen bei der digitalen Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Die Apotheke am Bohlenplatz in Erlangen wurde für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ausgezeichnet, den Preis für das Lebenswerk erhielt Christoph Mix von der Kräuter Mix GmbH.

Auf den ersten Blick haben diese Geschäftsmodelle wenig miteinander zu tun. Bei genauerer Betrachtung verbindet sie jedoch eine wichtige Fähigkeit: Sie übersetzen komplexe Ideen in verständliche, anwendbare und wirtschaftlich tragfähige Angebote.

Eine gute Idee allein reicht nicht

Technologische oder wissenschaftliche Kompetenz bildet häufig den Ausgangspunkt einer Innovation. Daraus entsteht aber noch kein Produkt, das Menschen verstehen, nutzen oder kaufen.

Dafür braucht es weitere Fähigkeiten: die Gestaltung eines verständlichen Produkts, eine intuitive Benutzerführung, überzeugende Kommunikation, visuelle Darstellung und Simulation, Markenentwicklung und Positionierung, die Kenntnis konkreter Zielgruppen, tragfähige Geschichten über Nutzen und Wirkung, sowie die Fähigkeit, technische Möglichkeiten mit menschlichen Bedürfnissen zu verbinden.

Genau hier liegen zentrale Kompetenzen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Designer:innen, Softwareentwickler:innen, Kommunikationsfachleute, Games- und Experience-Designer:innen, Autor:innen, Filmschaffende, Werbeagenturen und andere Kreativunternehmen arbeiten längst nicht mehr nur für klassische Kultur- oder Medienmärkte. Sie entwickeln Anwendungen für Industrie, Medizin, Verwaltung, Bildung, Mobilität und Forschung.

Von der Radarsimulation bis zur Bürgerkommunikation

Besonders deutlich wird diese Verbindung bei zwei Finalisten des Bayerischen Gründerpreises.

Die Erlanger fiveD GmbH entwickelt Technologien für Radarsimulation. Dafür müssen komplexe Umgebungen, Bewegungen und Anwendungssituationen virtuell dargestellt und erprobt werden. Solche Entwicklungen verbinden Software, Simulation, dreidimensionale Gestaltung und die Konzeption realistischer Nutzungsszenarien. fiveD gehörte neben TigerShark Science und Peak Quantum zu den drei Finalisten in der Kategorie Start-up.

Die ausgezeichnete Cosmema GmbH wiederum zeigt, dass Digitalisierung nicht allein aus technischer Infrastruktur besteht. Das Unternehmen unterstützt nach eigenen Angaben mehr als 900 Städte, Gemeinden und Landkreise bei der digitalen Bürgerkommunikation. Ob eine kommunale App tatsächlich genutzt wird, hängt nicht nur von ihrer Programmierung ab. Entscheidend sind Verständlichkeit, Zugänglichkeit, redaktionelle Qualität, Gestaltung und die Frage, ob Informationen im Alltag der Menschen ankommen.

Auch die GEOXIP GmbH, Finalistin in der Kategorie Aufsteiger, steht beispielhaft für Geschäftsmodelle, in denen Technologie, Markenkommunikation und Gestaltung zusammengedacht werden.

Solche Unternehmen lassen sich nicht mehr sinnvoll in eine einfache Schublade wie „Technologie" oder „Kreativität" einordnen. Ihr wirtschaftlicher Wert entsteht gerade durch die Verbindung verschiedener Disziplinen.

Kreativwirtschaft ist Teil der Innovationsinfrastruktur

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer zu häufig auf Kulturveranstaltungen, Medienproduktion oder die Gestaltung fertiger Produkte reduziert. Tatsächlich übernimmt sie an vielen Stellen eine strategische Funktion.

Kreativunternehmen helfen dabei, neue Technologien anwendbar zu machen, Forschungsergebnisse in Produkte zu übersetzen, komplexe Prozesse verständlich darzustellen, Nutzerinnen und Nutzer frühzeitig einzubeziehen, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen, sowie aus einer technischen Entwicklung ein unterscheidbares Geschäftsmodell zu formen.

Damit ist die Kultur- und Kreativwirtschaft keine nachgelagerte Dienstleisterin, die am Ende noch ein Logo, einen Text oder eine Oberfläche beisteuert. Sie ist Teil des Innovationsprozesses.

„Innovationen entstehen selten innerhalb sauber abgegrenzter Branchen. Sie entstehen dort, wo unterschiedliche Erfahrungen, Technologien und Denkweisen aufeinandertreffen. Genau an diesen Schnittstellen arbeitet die Kultur- und Kreativwirtschaft."

Roland Weiniger, Vorsitzender der KulturGilde

Ein starkes Signal aus Franken

Der Bayerische Gründerpreis 2026 zeigt außerdem, dass innovative Unternehmen nicht nur in den bekannten Start-up-Zentren Münchens entstehen.

Mit TigerShark Science aus Würzburg wurde ein unterfränkisches Unternehmen als bestes Start-up ausgezeichnet. Mit fiveD und der Apotheke am Bohlenplatz waren gleich zwei Unternehmen aus Erlangen unter den Finalisten beziehungsweise Preisträgern.

Diese Beispiele stehen für die unterschiedlichen Stärken der fränkischen Innovationslandschaft: Hochschulen und Forschung, Softwareentwicklung, Gesundheitswirtschaft, Mittelstand, Unternehmensnachfolge und kreative Technologien.

Um diese Potenziale besser zu nutzen, müssen die Verbindungen zwischen Hochschulen, Kreativunternehmen, Industrie, Wirtschaftsförderung, Finanzierungspartnern und Kommunen weiter ausgebaut werden. Innovation entsteht nicht allein in Laboren oder Technologiezentren. Sie entsteht auch in Agenturen, Studios, Werkstätten, Ateliers, Softwareunternehmen und interdisziplinären Projektteams.

Bayerns Gründungsförderung braucht einen breiteren Blick

Der Bayerische Gründerpreis unterscheidet zwischen jungen Start-ups, dynamisch wachsenden Unternehmen, erfolgreicher Nachfolge und unternehmerischem Lebenswerk. Damit bildet er unterschiedliche Phasen unternehmerischer Entwicklung ab. In den Kategorien Start-up und Aufsteiger wurden Fachjury und Öffentlichkeit an der Entscheidung beteiligt.

Für die weitere Entwicklung der bayerischen Gründungs- und Innovationspolitik sollte dieser Ansatz noch breiter gedacht werden.

Nicht jedes innovative Unternehmen verfolgt das klassische Start-up-Modell mit Risikokapital, schnellem Beschäftigtenwachstum und internationaler Skalierung. Gerade in der Kultur- und Kreativwirtschaft entstehen Innovationen häufig in kleinen Unternehmen, Projektgesellschaften, Studios oder interdisziplinären Kooperationen.

Ihr Wert liegt unter anderem in geistigem Eigentum, Software und digitalen Anwendungen, Marken und Formaten, Gestaltungskompetenz, Daten und spezialisierten Wissensbeständen, Reputation und Netzwerken, Kundenbeziehungen, sowie der Fähigkeit, neue Lösungen schnell zu entwickeln und praktisch zu erproben.

Diese immateriellen Werte müssen bei Finanzierung, Förderung und wirtschaftspolitischer Bewertung stärker berücksichtigt werden.

Sichtbarkeit ist ein wirtschaftlicher Faktor

Der Bayerische Gründerpreis ist nicht mit einem Preisgeld verbunden. Für junge Unternehmen können die öffentliche Aufmerksamkeit, neue Kontakte und der Zugang zu Netzwerken jedoch mindestens ebenso wertvoll sein. Die ausgezeichnete TigerShark Science GmbH befindet sich aktuell in einer Finanzierungsrunde und verbindet mit dem Preis ausdrücklich die Hoffnung auf größere Sichtbarkeit bei potenziellen Investorinnen und Investoren.

Das ist eine wichtige Erkenntnis: Gute Ideen brauchen nicht nur Kapital. Sie brauchen Öffentlichkeit, glaubwürdige Referenzen, Kontakte und Gelegenheiten, sich vor möglichen Partnern, Auftraggebern und Entscheidungsträgern zu präsentieren.

Die KulturGilde arbeitet deshalb daran, Kreativunternehmen und interdisziplinäre Innovationen früher sichtbar zu machen. Mit Projekten, Unternehmensbesuchen, Praxisstimmen, politischen Gesprächen und dem Peter-Henlein-Innovationsnetzwerk sollen Ideen nicht erst dann Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie sich bereits am Markt durchgesetzt haben.

Von der frühen Idee zum etablierten Unternehmen

Der Bayerische Gründerpreis und der Peter-Henlein-Preis setzen an unterschiedlichen Stellen der Innovationsentwicklung an.

Der Bayerische Gründerpreis zeichnet Unternehmen aus, die bereits ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt, Wachstum erreicht, eine Nachfolge erfolgreich gestaltet oder über viele Jahre unternehmerische Verantwortung übernommen haben.

Der Peter-Henlein-Preis richtet den Blick bewusst früher auf neue Ideen, Prototypen, Verfahren und innerbetriebliche Innovationen aus Franken. Er soll Menschen und Unternehmen erreichen, deren Entwicklungen noch nicht auf den großen Bühnen der Wirtschaft angekommen sind.

Beide Ansätze können sich ergänzen: Frühe Innovationen brauchen zunächst Ermutigung, Kontakte und Sichtbarkeit. Erfolgreiche Unternehmen benötigen später größere Netzwerke, Finanzierung und Zugang zu neuen Märkten.

Gratulation und Einladung zum Austausch

Die KulturGilde gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern sowie den Finalistinnen und Finalisten des Bayerischen Gründerpreises 2026.

Ihre Beispiele zeigen, wie vielfältig Unternehmertum in Bayern ist – und wie wichtig es ist, Innovation nicht auf einzelne Branchen oder Technologien zu begrenzen.

Die KulturGilde lädt innovative Unternehmen, Kreativschaffende, Forschungseinrichtungen, Wirtschaftsförderungen und politische Verantwortliche dazu ein, gemeinsam sichtbar zu machen, wie kreative Kompetenzen zur Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle beitragen.

Wo treffen kreative Kompetenz und technologische Innovation in Ihrem Unternehmen aufeinander?

Arbeiten Sie an einem Produkt, einem Verfahren oder einem Geschäftsmodell, das Technologie, Gestaltung, Kommunikation oder kulturelles Wissen miteinander verbindet? Schildern Sie uns Ihr Beispiel in wenigen Stichpunkten. Auf Wunsch entwickelt die KulturGilde daraus eine Praxisstimme, ein Interview oder einen Unternehmensbesuch.

Quellenhinweis: Grundlage des Beitrags sind die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks vom 21. Juli 2026 sowie die Veröffentlichungen des Sparkassenverbands Bayern und des Bayerischen Gründerpreises.

Warum das für die KulturGilde wichtig ist

Der Bayerische Gründerpreis 2026 macht sichtbar, dass wirtschaftlich erfolgreiche Innovation heute selten aus einer einzelnen Branche entsteht. Gestaltung, Kommunikation, Software und kulturelles Wissen sind an vielen ausgezeichneten Geschäftsmodellen unmittelbar beteiligt. Für die KulturGilde ist das ein Beleg dafür, dass Kreativunternehmen in der bayerischen Gründungs- und Innovationsförderung als eigenständiger, wirtschaftlich relevanter Akteur mitgedacht werden müssen – nicht nur als nachgelagerte Dienstleister.

Bezug zur KulturGilde: Kultur- und Kreativwirtschaft, Innovation, Startups und Existenzgründung, Kreativunternehmen und Mittelstand

Zugeordnete Kreativnetze: Kultur- und Kreativwirtschaft, Peter-Henlein-Preis

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