Ein Mensch zeigt einem Roboter in einem Trainingslabor, wie ein flexibles Material gegriffen und bearbeitet wird.KI-generiert

Das Training von Robotern verbindet technische Entwicklung mit Prozesswissen, Simulation und der Gestaltung der Mensch-Maschine-Interaktion.

Branchenbeobachtung26. Juli 2026Bayern / FrankenAktualisiert am 28. Juli 2026

Roboter brauchen Gestaltung

Die CSU-Landesgruppe will Deutschland zum „Fitnessstudio für Roboter" machen. Für Designbüros, Games-Studios, 3D-Spezialisten und UX-Agenturen kann daraus ein neuer Markt entstehen – sofern sie nicht erst hinzugezogen werden, wenn die Technik bereits fertig ist.

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Die CSU will bis 2030 eine Million Roboter in Deutschland einsetzen. Doch Maschinen brauchen mehr als Hardware und KI: Trainingsszenarien, 3D-Welten, verständliche Interfaces und gute Mensch-Maschine-Interaktion könnten zu einem neuen Markt für Kreativunternehmen werden.

Die CSU-Landesgruppe will Deutschland zum „Fitnessstudio für Roboter" machen. Für Designbüros, Games-Studios, 3D-Spezialisten und UX-Agenturen kann daraus ein neuer Markt entstehen – sofern sie nicht erst hinzugezogen werden, wenn die Technik bereits fertig ist.

Ein Roboter soll ein Kleidungsstück falten, ein Werkstück greifen oder einen Menschen durch ein öffentliches Gebäude begleiten. Was für Menschen selbstverständlich wirkt, ist für Maschinen eine anspruchsvolle Aufgabe. Sie müssen nicht nur einzelne Bewegungen lernen, sondern Materialien, Räume, Abweichungen und menschliche Reaktionen verstehen.

Genau hier beginnt ein Arbeitsfeld, das weit über Maschinenbau und Programmierung hinausgeht.

Eine Million Roboter bis 2030

Die Vorschläge liegen inzwischen als offizieller Banz26-Beschluss der CSU im Bundestag vor. Darin fordert die CSU eine Robotik-Roadmap 2030 und will durch Förder- und Investitionsprogramme mehr als eine Million neue Roboter in Betrieb bringen. Forschungs- und Trainingszentren für physische KI – sogenannte Roboter-Gyms – sollen verstärkt auch mittelständischen Unternehmen offenstehen.

Damit wird aus einer ersten politischen Ankündigung eine konkretere Zielsetzung. Ein staatliches Programm mit festgelegter Finanzierung, Förderrichtlinien und Zugangsvoraussetzungen ist damit allerdings noch nicht beschlossen.

Die grundsätzliche Idee ist allerdings bereits Realität. Die Technische Universität München und NEURA Robotics bauen am Münchner Flughafen das TUM RoboGym auf. Auf zunächst 2.300 Quadratmetern sollen dort zahlreiche Robotersysteme, darunter humanoide Roboter, mit realen Daten und menschlichen Demonstrationen trainiert werden.

Die KulturGilde begrüßt die Öffnung – und verlangt einen breiteren Mittelstandsbegriff

Dass Roboter-Gyms auch mittelständischen Unternehmen offenstehen sollen, entspricht einer zentralen Forderung der KulturGilde. Der Zugang darf jedoch nicht auf Produktionsbetriebe und Robotikhersteller beschränkt bleiben. Zum Robotik-Ökosystem gehören auch Games-Studios, 3D-Dienstleister, Designbüros, UX-Agenturen, Animationsunternehmen, Lernmedienanbieter und spezialisierte Selbstständige.

Sie entwickeln Trainingswelten, digitale Zwillinge, Bewegungsmodelle, Bedienoberflächen, Sicherheitssignale und Qualifizierungsangebote. Ohne diese Leistungen bleibt der Zugang zur technischen Infrastruktur unvollständig.

Robotertraining ist auch Szenariodesign

Ein Roboter kann nicht nur für den Idealfall vorbereitet werden. Werkstücke liegen falsch, Lichtverhältnisse verändern sich, Menschen treten in den Arbeitsbereich oder Materialien reagieren anders als erwartet.

Solche Varianten müssen beobachtet, beschrieben, simuliert und getestet werden. Dabei werden Kompetenzen relevant, die in der Kultur- und Kreativwirtschaft längst vorhanden sind:

  • Game- und Level-Design entwickeln Regelsysteme und unterschiedliche Handlungssituationen.
  • 3D-Studios erstellen digitale Modelle von Räumen, Werkzeugen und Produkten.
  • Animations- und Motion-Design machen Bewegungsabläufe sichtbar.
  • User-Experience- und Service-Designer gestalten die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.
  • Serious-Games- und Lernmedienanbieter entwickeln Trainingsangebote für Beschäftigte.
  • Kommunikationsdesigner übersetzen komplexe technische Zustände in verständliche Signale, Bilder und Anleitungen.

Diese Leistungen sind keine nachträgliche Verpackung der Technologie. Sie entscheiden mit darüber, ob ein Roboter in einem Betrieb tatsächlich eingesetzt werden kann.

Die Schnittstelle zum Menschen wird zum Markt

Beschäftigte müssen erkennen können, was eine Maschine gerade tut, wann sie Unterstützung benötigt und wann eingegriffen werden muss. Ein Warnsignal darf nicht übersehen werden. Gleichzeitig darf das System nicht so viele Meldungen produzieren, dass niemand mehr darauf reagiert.

Auch Bewegungen, Sprache, Licht, Ton und räumliches Verhalten beeinflussen, ob Menschen einen Roboter verstehen und ihm angemessen vertrauen. Damit werden Gestaltung, Psychologie, Vermittlung und Nutzerforschung zu Bestandteilen sicherer Robotik.

Für Kreativunternehmen können daraus neue und wiederkehrende Dienstleistungen entstehen:

  • digitale Zwillinge erstellen und aktualisieren,
  • Trainingsszenarien entwickeln und erweitern,
  • Benutzeroberflächen gestalten und testen,
  • Bewegungsabläufe visualisieren,
  • Schulungs- und Lernmedien entwickeln,
  • Arbeitsprozesse dokumentieren,
  • betriebliches Erfahrungswissen in trainierbare Abläufe übersetzen.

Der nächste Entwicklungsschritt der Robotik wird nicht allein davon abhängen, wie viele Maschinen produziert werden. Entscheidend ist, wie schnell aus technischer Forschung belastbare Anwendungen für Unternehmen, Beschäftigte und öffentliche Einrichtungen entstehen.

Kreativunternehmen müssen früh beteiligt werden

Wenn die geplanten Roboter-Gyms tatsächlich dem Mittelstand zugutekommen sollen, dürfen sie nicht nur großen Industrieunternehmen, Robotikherstellern und Forschungskonsortien offenstehen.

Auch kleine Designstudios, Games-Unternehmen, 3D-Dienstleister, UX-Agenturen und spezialisierte Solo-Selbstständige benötigen Zugang zu Infrastruktur, Daten und konkreten Entwicklungsaufträgen. Dafür braucht es überschaubare Antragsverfahren, niedrige Eigenanteile und klare Regeln für Nutzungsrechte und betriebliches Wissen.

Denkbar wären geförderte Kooperationen, bei denen ein mittelständischer Betrieb eine reale Aufgabe einbringt und gemeinsam mit Robotikforschung sowie Kreativunternehmen einen Prototyp entwickelt.

Ein Unternehmen kennt seinen Produktionsprozess. Ein Robotikanbieter stellt die technische Plattform. Kreative übersetzen den Ablauf in Trainingssituationen, Interaktionen und verständliche Bedienkonzepte.

Dabei darf das Erfahrungswissen der Beschäftigten nicht übersehen werden. Wer seit Jahren mit bestimmten Materialien, Maschinen oder Kundensituationen arbeitet, erkennt Abweichungen, die sich nur schwer in einer technischen Prozessbeschreibung erfassen lassen.

Auch dieses Wissen muss dokumentiert, angemessen vergütet und rechtlich geschützt werden.

Franken kann zum Erprobungsraum werden

Dass die CSU ihre Vorschläge in Kloster Banz vorstellt, schafft zunächst nur einen geografischen Bezug zu Franken. Die Region verfügt aber auch über fachliche Voraussetzungen, um Robotik, kreative Entwicklung und betriebliche Anwendung zusammenzubringen.

In Nürnberg und Erlangen bestehen Forschungskompetenzen in Robotik, Automatisierung, digitalen Zwillingen, Mensch-Maschine-Interaktion und sozialer Robotik. Gleichzeitig gibt es in der Region Unternehmen und Selbstständige aus Games, Software, 3D, Design, Film, Animation, User Experience und digitaler Wissensvermittlung.

Ein sinnvoller nächster Schritt wäre deshalb kein allgemeiner Kongress über die Zukunft der Robotik, sondern ein anwendungsbezogenes Werkstattformat.

Produktionsbetriebe, Pflegeeinrichtungen, Logistikunternehmen, Kommunen oder Museen könnten konkrete Aufgaben einbringen. Forschung, Robotikanbieter und Kreativunternehmen würden daraus gemeinsam Trainingsszenarien, Schnittstellen und erste Prototypen entwickeln.

Mögliche Aufgaben wären beispielsweise:

  • einen Roboter unterschiedliche Materialien greifen lassen,
  • einen mobilen Assistenten sicher durch ein öffentliches Gebäude führen,
  • Beschäftigte verständlich über den Zustand einer Maschine informieren,
  • seltene Störungen in einer Simulation trainieren,
  • neue Mitarbeitende auf die Zusammenarbeit mit Robotern vorbereiten.

Damit würde aus einem abstrakten Förderthema ein konkreter regionaler Entwicklungsprozess.

Förderung darf nicht bei der Hardware enden

Eine Million Roboter sind noch keine Anwendungsstrategie. Die politische Debatte muss auch beantworten, wer die Maschinen trainiert, wer ihre Interaktion mit Menschen gestaltet und wie kleine Unternehmen Zugang zu dieser Entwicklung erhalten.

Aus Sicht der KulturGilde sollten künftige Robotikprogramme deshalb nicht nur Hardware, Sensorik und KI-Modelle finanzieren.

Förderfähig sein müssen ebenso:

  • Simulationen,
  • digitale Zwillinge,
  • 3D-Umgebungen,
  • Trainings- und Testszenarien,
  • Benutzeroberflächen,
  • Lern- und Schulungsmedien,
  • User Research,
  • barrierefreie Interaktionskonzepte,
  • die Gestaltung der Mensch-Maschine-Zusammenarbeit.

Denn ein Roboter lernt nicht von selbst, was in einem Betrieb wichtig ist. Jemand muss Erfahrung beobachten, Arbeitsabläufe strukturieren und Technik für Menschen verständlich machen.

Eine Robotik-Roadmap 2030 sollte deshalb für jedes größere Fördervorhaben eine Anwendungs- und Interaktionskomponente vorsehen. Zu prüfen ist nicht nur, ob ein Roboter eine Aufgabe technisch ausführen kann. Ebenso wichtig ist, ob Beschäftigte sein Verhalten verstehen, Fehler erkennen, sicher eingreifen und die neue Technik in reale Arbeitsabläufe integrieren können.

Förderfähig sein müssen daher ausdrücklich auch User Research, Szenario- und Game Design, synthetische Trainingsumgebungen, 3D-Modelle, barrierefreie Interfaces, Lernmedien, Simulationen, Tests mit Beschäftigten sowie die Dokumentation betrieblichen Erfahrungswissens.

Darin liegt eine konkrete wirtschaftliche Chance für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

Was aus der Robotik-Roadmap folgen muss

  • Zugang zu Roboter-Gyms auch für kleine Kreativ- und Digitalunternehmen
  • geförderte Konsortien aus Mittelstand, Forschung, Robotik und Kreativwirtschaft
  • eigene Budgets für Trainingsszenarien, UX, 3D, Simulation und Qualifizierung
  • klare Regeln für Daten, geistiges Eigentum und betriebliches Erfahrungswissen
  • Einbeziehung von Beschäftigten in Entwicklung und Erprobung
  • regionale Reallabore in Bayern und Franken
  • mittelstandsfreundliche Anträge mit niedrigen Eigenanteilen und geringen Vorfinanzierungslasten

„Wer Roboter-Gyms für den Mittelstand öffnet, muss auch jene Unternehmen hineinlassen, die Trainingssituationen, digitale Räume, Bedienoberflächen und Lernprozesse gestalten. Sonst wird zwar die Maschine trainiert, aber nicht ihr sinnvoller Einsatz im Betrieb."

Ihre Erfahrung ist gefragt

Welche Kompetenz aus Ihrem Kreativunternehmen könnte dazu beitragen, dass Menschen Roboter sicherer, verständlicher oder wirksamer einsetzen können? Die KulturGilde sucht Praxisbeispiele aus Design, Games, 3D, Animation, Software, User Experience und digitaler Wissensvermittlung. Besonders interessant sind Projekte an der Schnittstelle von kreativer Gestaltung, Industrie, Pflege, Logistik, Museen oder öffentlichen Einrichtungen.

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Quellen und weiterführende Informationen

Warum das für die KulturGilde wichtig ist

Die geplanten Roboter-Gyms zeigen exemplarisch, dass Verwaltungs- und Wirtschaftsförderung im Bereich Robotik nicht bei Hardware und KI-Modellen enden darf. Trainingsszenarien, Interfaces, 3D-Umgebungen und Mensch-Maschine-Interaktion sind originäre Leistungen von Design, Games und UX. Für die KulturGilde ist das ein konkretes Beispiel dafür, dass Kreativunternehmen von Anfang an in neue Technologieförderung einbezogen werden müssen – nicht erst, wenn die Technik bereits entwickelt ist.

Bezug zur KulturGilde: Politische Arbeit, Designwirtschaft, Software- und Gamesindustrie, Innovation und Technologietransfer, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung

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